Nachrichten Januar 2010


AUTOBRANCHE: Sportwagenhersteller rettet angeschlagenen Saab

Zeewolde. TM/TR/VK. 27. Januar 2010.

Was beinahe niemand mehr für möglich hielt ist nun wahr geworden: Für den insolventen Autohersteller Saab hat sich ein Käufer gefunden. Nach monatelangen Verhandlungen wird der kleine niederländische Sportwagenfabrikant Spyker Cars die schwedische Marke von ihrem jetzigen Eigentümer General Motors (GM) übernehmen. Der Verkauf soll aller Voraussicht nach Mitte Februar abgeschlossen sein. In Schweden – wo der Staat selber als Bürge für den Spyker-Kredit einstehen wird – begrüßt man die neuesten Entwicklungen um Saab. Das Unternehmen wurde zuletzt mehr und mehr zerschlagen. Insgesamt hängen in Schweden rund 2.500 Stellen bei Saab und noch einmal so viele bei Zuliefererfirmen vom Überleben der Traditionsmarke ab.

Insgesamt werden von Spyker an GM umgerechnet 52,5 Mio. Euro für die Saab-Übernahme gezahlt. Daneben bekommt GM auch noch Unternehmensanteile in Höhe von einem Prozent und im Wert von umgerechnet 230 Mio. Euro am neuen Fusionsunternehmen, welches unter dem Namen „Saab Spyker Automobiles nv“ firmieren soll. Saab erwirtschaftete nach der Übernahmen durch GM im Jahr 1990 fast durchgehend rote Zahlen. Zuletzt musste GM für jeden verkauften Saab noch 3.000 Dollar zulegen. Profitieren können nach Ansicht von Spyker-Gründer und Direktor Victor Muller durch den Deal beide Akteure. Spyker kann Saab in der neuen Automobil-Ehe neben dem nötigen Kleingeld vor allem mit Unternehmergeist helfen. Spyker selbst kann zum einen durch das verhältnismäßig große Händlernetzwerk von elfhundert Saab-Dealern aus dem Zusammenschluss profitieren. Zum anderen nutzen dem kleinen Spyker zukünftig auch die besseren Konditionen bei Zuliefererfirmen, die man durch das Bündnis mit dem großen Saab bekommt.

Der enorme Größenunterschied zwischen beiden Akteuren wird durch die nackten Zahlen überdeutlich: Während Spyker einer Schätzung für 2008 nach rund 8 Mio. Euro an Umsatz erwirtschaftete, war es bei Saab mit 1,6 Mrd. Euro gut das 200-fache. Bei den erwirtschafteten Verlusten sehen die Unterschiede ähnlich stark aus: So machte Spyker zuletzt ein Minus von 7 Mio. Euro, Saab dagegen musste mit Einbußen in Höhe von 392 Mio. Euro kämpfen – das 56-fache von Spyker. Das unterschiedliche Gewicht der zukünftigen Partner wird auch bei den Mitarbeiter- und Verkaufszahlen deutlich: So beschäftigt Spyker insgesamt 132 Arbeiter, Saab mit 3.400 jedoch beinahe das 26-fache. Bei den verkauften Automobilen fällt die Diskrepanz des „klitzekleinen“ Spyker, wie die Volkskrant schrieb, und dem großen Saab noch mehr auf: Während Spyker nur etwa 37 Autos pro Jahr produziert, verkauft Saab rund 40.000 davon.

Auch Spyker-Chef Muller kann es gut verstehen, dass bei Grundlage dieser Fakten Zweifel laut werden: „Wie kann es sein, dass ein kleines Unternehmen den schwedischen Herrsteller Saab übernimmt?“, fragte er sodann auch auf der jüngsten Pressekonferenz.  Die Antwort lieferte er gleich selber hinterher: „Es finden abnormale Zeiten in der Automobilindustrie statt, die sich unter anderem auch durch unübliche Transaktionen äußern“. Spyker Cars nv besteht seit dem Jahr 2003 im niederländischen Zeewolde und war immer ein Jugendtraum von Victor Muller und dem Großanteilseigner Michiel Mol. Der Konzernname geht dabei auf das niederländische Unternehmen Spyker Automobielen N.V. zurück, welches 1926 aufgegeben wurde. Spyker Cars hat sich seitdem als Hersteller exklusiver Luxuswagen mit einem Durchschnittspreis von 225.000 Euro einen Namen gemacht.

Betrachtet man den Akteur Spyker genau, dann verwundert es, dass ein derart kleines Unternehmen wie Spyker Cars, das selbst mit der eigenen Existenz zu kämpfen hat, einen solch großen Deal abschließen kann. Möglich ist dies auch nur durch einen Kredit  in Höhe von etwa 390 Mio. Euro bei der Europäischen Investitionsbank EIB in Luxemburg – anders könnte der Betrieb bei Saab nicht weiter aufrecht gehalten werden. Als Bürge für die hohe Summe steht der schwedische Staat ein und stellt dabei die Bedingung der Entwicklung umweltfreundlicher Modelle an den neuen Konzern. Sollte das neue Unternehmen die Wende nicht schaffen und insolvent gehen, fällt die Rechnung auf die schwedischen Steuerzahler zurück.