Nachrichten Januar 2010


WIRTSCHAFT: Bos fordert stärkeres Eingreifen des Staates

Amsterdam. CK/VK/NRC. 26. Januar 2010.

Der niederländische Finanzminister Wouter Bos (PvdA) fordert zum Schutz der öffentlichen Interessen ein stärkeres Eingreifen des Staates in die Wirtschaft. Während des so genannten Den Uyl-Vortrags, zu Ehren des 1987 verstorbenen sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Joop den Uyl, rückte Bos gestern von dem zurzeit gängigen „Dritten Weg“ ab. Diese, seit den 90er Jahren in sozialdemokratischen Kreisen populäre links-liberale Bewegung, setzt unter anderem auf eine freiere Marktwirtschaft und ein möglichst geringes Eingreifen des Staates. Nach Ansicht des PvdA-Parteiführers habe man in den letzten Jahren jedoch die Dynamik des Marktes unterschätzt: „Wir schliefen ein mit einem vormals recht gezähmten freien Markt und wurden wach mit einem entfesselten Monster.“ Bos verglich den Markt mit einem wild gewordenen Gorilla: „Man kann sehr lange glauben, dass man ihn unter Kontrolle hat, aber eines Tages macht er doch, was ihm seine Reflexe eingeben. Letztendlich bietet ein sehr breiter, tiefer Graben mehr Sicherheit als ein guter Dompteur.“ 

In Folge dessen fordert Bos eine bessere Abschirmung des Marktes gegenüber Ruchlosigkeit, Exzessen und Privatinteressen. Die jüngsten Bankenpläne des amerikanischen Präsidenten Barack Obama, die ein Zurechtstutzen der Großbanken und ein Verbot des Eigenhandels mit Kundengeldern vorsehen,  unterstützt er vollkommen. In einem Schreiben an seinen amerikanischen Kollegen Tim Geithner sicherte er zudem zu, in Europa die Diskussion um Veränderungen im Bankensektor wieder in Gang zu bringen. Niederländische Banken sieht Bos von diesen Plänen jedoch nicht betroffen: „ING ist dabei abzubauen und ABN Amro ist bereits viel kleiner als früher.“