Nachrichten Januar 2010


TERRORISMUS: Niederländer reagieren abermals am schnellsten

Den Haag. TM/NRC/VK. 04. Januar 2010.

Nachdem ein niederländischer Flugpassagier am 1. Weihnachtsfeiertag mit einer heldenhaften Tat den Selbstmordanschlag eines nigerianischen Studenten verhinderte, ist die Diskussion um die Einführung von Körperscannern weltweit erneut entbrannt. Die Niederlande haben dazu jetzt als erster Staat beschlossen, die neue Technik bereits in Kürze einsetzen zu wollen.

Dem 32-jährigen Geschäftsmann Jaspar Schuringa ist es zu verdanken, dass der tödliche Plan des 23-jährigen Islamisten Omar Farouk Abdulmutallab, explosives Material an Bord des Fluges NW253 von Amsterdam nach Detroit zu zünden, nicht zu Ende gebracht wurde. Der Amsterdamer Unternamer sah Rausch über dem Nigerianer aufsteigen und handelte sofort, indem er den Studenten Abdulmutallab zusammen mit anderen Passagieren überrumpelte. Schuringa wurde über Weihnachten so zum internationalen Helden und von vielen Medien – darunter auch der US-amerikanische Nachrichtensender CNN – interviewt. Zuletzt würdigte auch die niederländische Königin Beatrix die schnelle Reaktion und den Einsatz des Vielfliegers Schuringa, der so etliche Menschenleben gerettet hat. Laut der niederländischen Innenministerin Guusje Ter Horst ist es „nicht übertrieben zu behaupten, dass die Welt nur knapp einer Katastrophe entgangen ist“.

Bereits kurz nach Bekanntwerden des vereitelten Anschlages kamen Fragen danach auf, wie es der Selbstmordattentäter durch die Sicherheitsschleusen an den Flughäfen schaffen konnte. Abdulmutallab landete am Flughafen Amsterdam-Schiphol zwischen,  bevor er sich in die Maschine in die USA begab. Bei der Aufarbeitung legten die Niederlande dabei das Tempo vor und man einigte sich noch im alten Jahr darauf, die Sicherheitsdetektoren am Flughafen Schiphol so schnell wie möglich um Körperscanner, welche die Oberfläche des menschlichen Körpers abbilden können, zu erweitern. Die auch unter dem Begriff „Nacktscanner“ bekannten Geräte können versteckte Gegenstände unter der Kleidung sichtbar machen. Wie Innenministerin Ter Horst am 30. Dezember auf einer Pressekonferenz mitteilte, könne die benötigte zusätzliche Apparatur bereits binnen drei Wochen zur Verfügung stehen – dabei kann man wohl davon profitieren, dass auf Schiphol bereits seit dem Jahr 2007 mit den neuartigen Scannern experimentiert wird. Bis zum Funktionieren der Geräte müssen sich reisende in die USA jetzt einer 100prozentigen phyischen Kontrolle unterziehen, wobei der gesamte Körper nach verbotenen Gegenständen abgetastet wird.

Durch ihre schnelle Initiative sind die Niederlande bei den Körperscannern zum Trendsetterland avanciert – das Unterhauses deckt die Initiative mit einer breiten Mehrheit. Der niederländische Beschluss hat auch den Druck auf andere Staaten verschärft, ihre Detektoren anzupassen – noch zuvor bestehende ethische und gesundheitliche Einwände scheinen seit dem Anschlag größtenteils verschwunden zu sein. Nachdem sich in Deutschland zunächst Innenminister Thomas de Maizière für die Einführung auf allen deutschen Flughäfen ausgesprochen hat, scheint es aktuell für eine Regierungsmehrheit zu reichen.

Auf europäischer Ebene überwiegen aber mehrheitlich die kritischen Stimmen. Innerhalb der Kommission ist man bis jetzt noch zu keinem Entschluss gekommen – zuletzt beschloss man im Oktober, sich erst mit allen beteiligten Akteuren zusammensetzen zu wollen. Im Europäischen Parlament setzt sich aktuell eine bunte Koalition aus britischen Konservativen und deutschen Sozialisten gegen die Körperscanner ein. Durch die Klarheit des Scanbildes befürchtet man eine Gefährdung der Privatsphäre sowie durch die eingesetzten Scantechniken auch eine Gefährdung der Gesundheit der Passagiere. Zumindest der ersten Befürchtung soll durch modernste Technik entgegnet werden, wobei das Scanresultat nur durch den Computer analysiert wird und es nicht mehr von Menschen inspiziert werden muss. Schlägt der Scanner Alarm, muss das Sicherheitspersonal von Hand eingreifen und den Passagier abtasten. Bürgerrechtler mahnen zudem vor Datenschutzverletzungen, falls es zu Sicherheitslücken kommt und die gewonnenen Daten öffentlich via Internet o.ä. verbreitet werden.