Nachrichten februar 2010


SPORT: Olympische Spiele: Drama um Sven Kramer

Vancouver. TM/VK/NOS. 24. Februar 2010.

Trotz der noch frischen Regierungskrise in den Niederlanden ist es ein ganz anderes Thema, welches die niederländische Öffentlichkeit momentan bewegt und um das sich die allmorgendlichen Gespräche am Frühstückstisch und im Büro drehen: die olympischen Winterspiele im kanadischen Vancouver. Genauer gesagt ging es um das 10 Kilometer-Rennen der Eisschnellläufer am gestrigen Abend deutscher Zeit. Der bereits im 5 Kilometer-Rennen mit Gold ausgezeichnete Friese Sven Kramer lag lange Zeit mit großem Abstand vor der Konkurrenz, als sein Trainer Gerard Kemkers ihm bei 6.600 Metern durch einen Blackout den falschen Weg wies. Mit einer Zeit von 12.54,50 legte Kramer über die 10.000 Meter zwar der schnellste Zeit im Feld ab, direkt nach dem Finish wurde er – zu seiner eigenen Verwunderung – jedoch direkt disqualifiziert. Gold ging somit überraschend an den Koreaner Seung-Hoon Lee, Silber bekam der Russe Skobrev und Bronze wurde Kramers Landsmann und titelverteidiger Bod de Jong überreicht.

Gut fünf Millionen Niederländer sahen es live an ihrem Fernsehgerät, wie Sven Kramer am gestrigen Abend seine Runden drehte. Um 22:48 Uhr, gut zwei Minuten nach dem Ende des durch Kramer abgeschlossenen Wettkampfs, waren laut Angaben des niederländischen Fernsehens sogar fast sieben Millionen live dabei. Zuvor war der Moment passiert, der Kramer die Medaille gekostet hat: Beim planmäßigen Wechsel der Bahnen nach rund sieben Kilometern reagierte Sven Kramer auf eine sehr späte Anweisung seines Trainers. Gerard Kemkers rief „nach innen wechseln“, obwohl Kramer in die äußere Kurve wechseln musste. Der Trainer realisierte seinen Fehlers im Gegensatz zu Athlet Kramer sehr schnell: „Du siehst Skobrev, wie er auch auf die Innenbahn wechselt […] und dann weißt Du, dass Du einen enormen Fehler gemacht hast.“ Die restlichen acht bis neun Runden lässt sich Trainer Kemkers nichts von seinem Fehler anmerken. Nach Ende des Rennens fährt er sofort auf seinen Schützling zu und erklärt ihm das Ungeschick. Dieser regierte fluchend und schimpfend. Wenig später machte Sven Kramer seine ganze Wut gegenüber einem Offiziellen des niederländischen NOK deutlich – die Fernsehkameras bekamen alles mit: „Was für ein Trainer, er schickt mich einfach auf die verkehrte Bahn. Trotz der anfänglichen Aufgewühltheit und Enttäuschung fasste sich Kramer jedoch recht schnell wieder. „Jeder macht einmal Fehler“ sagte er schon wieder etwas versöhnt. Und auch seine Teamkollegen konnte er in der Kabine schnell beruhigen: „In zwei Tagen bin ich wieder dabei, Jungs“ und bezog sich auf die noch ausstehende Teamverfolgung.

Die olympische Eissporthalle in Vancouver kann ohne ein Einschränkungen als Domäne des niederländischen olympischen Teams bezeichnet werden. Der Großteil des Teams dreht dort in den verschiedenen Eisschnellauf- oder Shorttrack-Disziplinen ihre Runden. Drei Mannschaften sind zudem mit Bobs im olympischen Eiskanal vertreten. Auf der Schneepiste konnte in den Niederlanden nur zwei Sportler in den Snowboard-Disziplinen die Olympiaqualifikation schaffen. Auf Skiern ist jedoch kein Athlet aus dem Oranjeteam in Kanada dabei. Der letzte niederländische Olympiateilnehmern auf Skiern war der heute 83jährige Peter Pappenheim, der 1952 in Oslo an den Spielen teilnahm.

Auf das olympische Treppchen schafften es in Kanada bis heute sechs Sportler aus den Niederlanden – dreimal gab es Gold, einmal Silber und zweimal konnte die bronzene Medaille entgegengenommen werden. Die Glücklichen waren allesamt Eisschnelläufer: Sven Kramer, Mark Tuitert und Ireen Wüst (Gold), Annette Gerritsen (Silber)  sowie Bob de Jong und Laurine van Riessen (Bronze). Auf dem Medaillenspiegel der Nationen steht die Niederlande damit momentan auf einem guten zehnten Platz.