Nachrichten Dezember 2010

REICHSMUSEUM: Umstrittenes Gemälde wird nicht ausgestellt

Amsterdam. AKS/parool.nl/TR/VK. 20. Dezember 2010.

Das Reichsmuseum in Amsterdam wird das umstrittene Gemälde De nieuwe Mensch (dt. Der neue Mensch) nicht in seine permanente Ausstellung aufnehmen. Dies erklärte ein Sprecher des Reichmuseums am vergangenen Samstag gegenüber der niederländischen Zeitung De Volkskrant. Das Gemälde gilt als eines der umstrittensten Gemälde aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, da es die Lehren der Nazi-Ideologie verherrlicht. Auf dem Bild ist ein blonder Mann mit nacktem Oberkörper abgebildet, der in seiner rechten Hand ein flammendes Schwert trägt. Sein Blick ist Richtung Horizont gewendet; zu seinen Füßen liegen Bücher von Marx, Darwin und Voltaire sowie ein Skelett mit Krone, das die Zeit der Aufklärung und des Rationalismus darstellen soll. Es zeigt den neuen, faschistischen Menschen, der gegen den Kapitalismus und Kommunismus kämpft.

Das 2,30 m hohe und 1,75 m breite Gemälde wurde von dem Amsterdamer Künstler Henri van de Velde (1896-1969) im Jahr 1939 gemalt. Van de Velde war selbst Mitglied der niederländischen Nationaal Socialistische Beweging (NSB, dt. Nationalsozialistische Bewegung) und hatte das Bild im Auftrag eines anderen NSB-Mitglieds angefertigt. Dieser verschenkte das Bild wiederrum an den NSB-Mitgründer Anton Mussert, welcher es bis zum Ende des Krieges in seinem Büro neben einem Portrait von Adolf Hitler hängen hatte.

Lange Zeit galt das Gemälde als verschollen. Vor einigen Jahren jedoch tauchte es in Belgien wieder auf, woraufhin das Reichsmuseum das Gemälde erstand. Für einige Wochen war das Werk daher auch im Museum für Besucher zugänglich. Geplant war nun, das Gemälde, nach dem Abschluss der Renovierungsarbeiten des Hauptgebäudes des Reichsmuseums und dessen Neueröffnung im Jahr 2013, in der dauerhaften Ausstellung zur Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts aufzunehmen. Wie Konservator Harm Stevens allerdings am Samstag erklärte, sei das Museum zu einer „neuen Einsicht“ gelangt. Das Werk repräsentiert nach Ansicht des Museums nicht die Kunstströmung der Zwischenkriegszeit, wie Stevens erklärte: „In einer Zeit, in der die abstrakte Kunst aufkeimte als eine große erneuernde Kunstströmung, hielt Van de Velde an den alten Traditionen des Mittelalters und der Renaissance fest: figurativ und realistisch.“ Das Museum habe sich daher entschlossen, fesselndere Werke zu zeigen. Zu sehen sein werden daher unter anderem Fotografien der dreißiger Jahre, welche das Gedankengut der Zwischenkriegszeit besser repräsentieren, so Stevens.