Nachrichten Dezember 2010

LITERATUR: Cees Nooteboom erhält deutschen Preis

Weimar/Rotterdam. AKS/kas.de/NRC. 13. Dezember 2010.

Der niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom wurde am gestrigen Sonntag mit dem Literaturpreis der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung für sein Gesamtwerk ausgezeichnet. Bundestagspräsident Prof. Norbert Lammert, der als Redner bei der Verleihung zugegen war, erklärte in seiner Lobrede zu Ehren von Nooteboom, dass dieser „ein glänzender Schriftsteller von internationalem Rang, ein leidenschaftlicher Europäer und ein Humanist im wahren Sinne des Wortes“ sei.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung trägt seit 1964 den Namen des ersten Bundeskanzlers und hat einen christdemokratischen Ursprung. Auf nationaler und internationaler Ebene setzt sich die Stiftung für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit ein. Der Literaturpreis, der seit 1993 vergeben wird, soll Autoren ehren, die „der Freiheit ihr Wort geben“. Bisher wurden dabei nur Schriftsteller mit osteuropäischer Herkunft ausgezeichnet. Der 77-jährige Niederländer ist der erste Westeuropäer, der diesen Preis erhält.

Die Jury hatte sich für Nooteboom aufgrund der politisch und kulturell europäischen Ausstrahlung seines Gesamtwerks entschieden. Lammert betonte in seiner Rede auch Nootebooms Popularität in Deutschland und die Bedeutung seiner Werke für die Leser: „Der Preisträger hat in Deutschland nicht nur eine zahlreiche und begeisterte Leserschaft, er ist vor allem ein kenntnisreicher Zeitgenosse und Augenzeuge der deutschen Geschichte, der den Prozess der friedlichen Revolution als Nachbar mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt hat.“

Cees Nooteboom, der den Zweiten Weltkrieg als Kind miterlebt hatte und dabei seinen Vater durch einen Bombenangriff auf Den Haag verlor, ging in seiner Dankesrede auf seine Eindrücke der deutschen Geschichte nach dem Weltkrieg ein: „Was wussten wir von Adenauer? Zumindest dies: dass er damals nicht auf der falschen Seite gestanden hatte, im Gegenteil.“ Es sei während der Kanzlerschaft Adenauers und den Anfängen der europäischen Zusammenarbeit etwas geschaffen worden, „das uns sechzig Jahre Frieden beschert hat, und die Frage ist, wie wir damit umgehen. Wenn man die Gegenwart als Geschichte sieht, sieht man in einem merkwürdigen Umkehrschluss auch häufig die Vergangenheit als Aktualität“.

In Deutschland ist der in Den Haag geborene Nooteboom vor allem durch den Roman „Allerseelen“ bekannt. Aber auch der Essay-Band „Wie wird man Europäer?“ und der Roman „Die folgende Geschichte“, die sich beide mit dem Thema Europa befassen, sind populär. Insgesamt hat der Autor eine Vielzahl an Romanen, Erzählungen, Essays, Reisereportagen und Gedichten veröffentlicht, von denen ein Großteil auch in Deutschland veröffentlich wurde.