Nachrichten Dezember 2010

BILDUNG: Ministerin will Schulsystem reformieren

Den Haag. AKS/FAZ.net/NRC/TR/VK. 07. Dezember 2010.

Marja van Bijsterveldt, Ministerin für Bildung, Kultur und Wissenschaft (CDA), plant das Schulsystem in den Niederlanden zu reformieren. Die Ministerin reagiert damit auf die Ergebnisse der PISA-Studie, die am heutigen Dienstag veröffentlicht wurden. Die PISA-Studien werden seit dem Jahr 2000 in einem dreijährigen Rhythmus in den meisten OECD-Mitgliedsstaaten sowie einer zunehmenden Zahl von Partnerstaaten durchgeführt. Im Rahmen der Studien werden die Schulleistungen von 15-jährigen Schülern in den Bereichen Lesekompetenz, mathematische Kompetenz sowie naturwissenschaftliches Grundwissen getestet.

Laut der neusten PISA-Ergebnissen sind die Leistungen niederländischer Schüler im Vergleich zum letzten Ergebnis vom Jahr 2006 leicht gesunken. Zwar belegen die Niederlande im Bereich Sprache immer noch unter den Top 10, im mathematischen und naturwissenschaftlichen Bereich sind sie hingegen vom dritten bzw. sechsten auf den elften Platz gefallen. „Die Leistung der niederländischen Schüler ist immer noch gut, aber unsere relative Position verschlechtert sich und damit sind wir weiter von den Top 5 der Welt abgekommen“, erklärte Van Bijsterveldt. Weiterhin gab sie gegenüber der niederländischen Zeitung De Volkskrant zu verstehen, dass mehr Fokussierung im Unterricht nötig sei „um die internationale Konkurrenzkraft zu verstärken“.

Die Bildungsministerin hat daher heute Pläne für grundlegende Reformen im Bildungssystem vorgestellt. So soll eine verpflichtende Abschlussprüfung an den Grundschulen eingeführt werden. Im Moment besteht in den Niederlanden zwar der sogenannte CITO-Test, der am Ende der Grundschulzeit Aufschluss über die Fähigkeiten des Kindes geben und die Entscheidung über die weitere Schullaufbahn erleichtern soll, dieser ist jedoch nicht landesweit verpflichtend. Der verpflichtende Abschlusstest hingegen soll die Schüler für die weiterführende Schullaufbahn qualifizieren. Was die weiterführende Schule betrifft, so plant Van Bijsterveldt  auch hier grundlegende Veränderungen. Getreu dem Motto „Zurück zum Kern“ sollen die Fächer Niederländisch, Englisch und Mathematik in der Schule viel stärker gefördert werden. Zudem ist vorgesehen, dass Schülerinnen und Schüler der höherqualifizierenden Schulen nur noch zwei statt vier Spezialisierungsrichtung  wählen können. Nach Ansicht von Van Bijsterveldt bezieht sich der Unterricht nun zu stark auf gesellschaftliche Gebiete: „Das erstreckt sich von Themen wie Fettleibigkeit bis hin zur Frage, wie man Schulden vermeidet. Dies ist sehr wichtig, aber keine Aufgabe für Schullehrer.“

Kaum hat die Ministerin ihre Pläne vorgestellt, hagelt es bereits Kritik. Die landesweite Schülerorganisation LAKS erklärte die Pläne grundlegend zu befürworten; nach ihrer Ansicht würden die Maßnahmen aber nicht ausreichen. Steven de Jong, Vorsitzender der LAKS: „Es reicht nicht aus, in ausgesuchten Fächern mehr Unterricht zu geben. Die Qualität der Lehrer muss verbessert werden. Auf diesem Gebiet ist in den letzten Jahren nicht viel passiert.“ Der Vorsitzende des Allgemeinen Unterrichtsverbands (AOb), Walter Dresscher, erklärte ebenfalls, dass gut ausgebildete Lehrer von Nöten seien. Dresscher äußerte daher Skepsis gegenüber den Plänen der Regierung: „Die Vorschläge der Ministerin sind interessant. Aber derartige Maßnahmen wurden schon des Öfteren probiert und haben noch nie zu den gewünschten Resultaten geführt.“