Nachrichten August 2010

DISKUSSION: NS-Zeitungen online?

Den Haag. CK/NRC/TR. 26. August 2010.

In den Niederlanden ist in den vergangenen Wochen eine Diskussion darüber entbrannt, ob die Königliche Bibliothek in Den Haag NS-Zeitungen in digitaler Form für jedermann zugänglich machen sollte. Seit dem Frühjahr ist die Bibliothek mit dem Aufbau eines digitalen Zeitungsarchivs beschäftigt, in dem Wissenschaftlern und anderen Interessenten nationale, regionale und lokale Zeitungen der letzten 400 Jahre (1618-1995) zugänglich gemacht werden sollen. Neben Widerstandszeitungen aus der Besatzungszeit möchte die Bibliothek dabei auch Organe der niederländischen und deutschen Nationalsozialisten, wie Volk en Vaderland oder De Misthoorn, online stellen.

Allerdings ist bislang nicht eindeutig  geklärt, ob sich die Einrichtung dadurch der Verbreitung diskriminierender Inhalte strafbar und des Missbrauchs durch Dritte mitschuldig machen würde. Kritiker warnen zudem davor, dass durch die Veröffentlichung dieser Zeitungen auch die Gefühle von Angehörigen der Opfer verletzt werden könnten. Das niederländische Justizministerium riet der Bibliothek darauf hin, vorerst von einer Publikation dieser Zeitungen abzusehen und richtete eine Arbeitsgruppe ein, die sich mit diesem Thema beschäftigt.

Nach einem Zusammentreffen mit Juristen und Historikern  gab die Bibliothek gestern bekannt, dass sie auf jeden Fall mit der Veröffentlichung fortfahren möchte. Bereits im kommenden Monat sollen die ersten NS-Zeitungen online gehen. In erster Linie sei es wichtig, „jedem die historische Wirklichkeit unzensiert zur Verfügung zu stellen.“ Die Bibliothek sei, so Direktor Bas Savenije, dazu bereit „Kopf und Kragen zu riskieren“ und gegebenenfalls die juristischen Konsequenzen zu tragen.

Weitere Informationen zur Digitialisierung der Zeitungen finden Sie hier.