Nachrichten August 2010

WM 2018: Niederlande und Belgien präsentierten sich der FIFA

Amsterdam/Zürich. TM/NOS/TR/VK. 13. August 2010.

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika ist erst seit wenigen Wochen zu Ende gegangen, da laufen bereits die Planungen für die folgenden Turniere auf Hochtouren. Nachdem bereits längere Zeit feststeht, dass der Wettbewerb in vier Jahren in Brasilien stattfinden wird, haben sich als Austragungsländer für 2018 die beiden Nachbarstaaten Belgien und die Niederlande beworben. In dieser Woche machte sich nun eine Delegation der FIFA auf, um sich die Örtlichkeiten in beiden Ländern anzuschauen und mit Entscheidungsträgern aus dem Organisationskomitee und der Politik zu sprechen. Im Dezember dieses Jahres will die FIFA bekanntgeben, wo das Turnier im Jahr 2018 ausgetragen wird. Neben Belgien und den Niederlanden kandidieren auch die USA, England, Russland sowie die beiden Nachbarländer Portugal und Spanien.

Nach dem Ende der viertägigen Stippvisite in Amsterdam zeigte sich Harry Been, Direktor des Organisationskomitees WM 2018, am Donnerstag sichtlich zufrieden. Die FIFA-Delegation hatte zuvor eine Rundreise durch Belgien und die Niederlande gemacht und dabei sowohl die Länder als auch die möglichen Spielstätten für das Turnier begutachtet.  FIFA-Delegationsleiter Mayer-Nicholls sprach am Ende von einer „exzellenten Bewerbung“. Zwar bemängelte er vor allem den aktuellen Zustand einiger Stadien in Belgien, die Planungen für Ausbau und Renovierung der Spielstätten schienen ihn jedoch überzeugt zu haben.

Neben den Stadien haben sich die FIFA-Offiziellen in dieser Woche zudem mit den beiden Regierungschefs Yves Leterme und Jan Peter Balkenende getroffen. Dort wurde ihnen auch der politische Wille offenbart, die Weltmeisterschaft 2018 in beide Länder zu holen. Wie Harry Been am Donnerstag berichtete,  hat er in den vergangenen Tagen von den „Menschen auf der Straße“ viel Enthusiasmus für die Kandidatur übermittelt bekommen – nicht jeder ist jedoch vollständig von der Bewerbung überzeugt. Größter Kritikpunkt sind dabei die Forderungen der FIFA an die organisierenden Länder, um während der Zeit des Turniers ihre Steuergesetze zugunsten der FIFA anzupassen.

So wird gefordert, dass der Welt-Fußballverband keine Einkommen- und keine Umsatzsteuer abführen muss. Sämtliche Aktivitäten, welche der Verband im Zuge der WM 2018 in den austragenden Ländern unternimmt, liefern den Staaten also keinen einzigen Cent an Steuern in die Staatskassen. Im Zuge der Erstellung der Bewerbungsunterlagen hatten sowohl Belgien als auch die Niederlande versprochen, diese Forderungen der FIFA zu erfüllen. Allerdings handelt es sich bei einer solchen Absprache um eine rechtlich höchst umstrittene Frage – vor allem innerhalb der Europäischen Kommission stößt dieses Vorhaben der FIFA auf wenig Gegenliebe. Ob die Sonderregeln also überhaupt umgesetzt werden dürfen, bleibt noch zu klären. Die FIFA allerdings hat sich von Beginn an gut abgesichert, denn Gesetz dem Fall, dass für den Verband dennoch Steuern fällig werden, hat die Niederlande sich dazu bereit erklärt, den entstandenen Betrag an die FIFA zurückzubezahlen. Ob diese Vorgehensweise bei der EU jedoch auf mehr Gegenliebe stößt, kann bezweifelt werden.

Neben den steuerlichen Forderungen verlangte die FIFA für die Zeit der Austragung der Weltmeisterschaft von den Kadidatenländern noch weitere grundlegende Anpassungen. Und längst nicht alle Erfordernisse der FIFA haben Belgien und die Niederlande in ihrer offiziellen Bewerbung ohne weiteres akzeptiert. Zwar sind die Verträge von allen Seiten unterzeichnet worden, die beiden Bewerberländer haben jedoch an mehreren Stellen so genannte Nebenabreden in Form von Spezifizierungen an die Dokumente angeheftet. So verlangte die FIFA in ihren Host City Agreements beispielsweise ein Verfügungsrecht über den Einsatz von Polizeikräften und die Bereitschaft der Gastgeber, wenn nötig Gesetze anzupassen, um die Interessen des Fußball-Weltverbandes zu schützen. Viele Städte und das Kabinett wiesen hierbei darauf hin, dass die Macht über die örtliche Polizei jeweils bei den Bürgermeistern liege und man daran auch nichts ändern könne.