Nachrichten September 2009


WIRTSCHAFT: Deutsche Bank bricht Gespräche mit Finanzministerium ab

Amsterdam/Den Haag. JoK/NRC/VK/TR. 18. September 2009.

Der Verkauf der Hollandsche Bank Unie (HBU), Teil der niederländischen Staatsbank ABN AMRO, und weiterer 15 regionaler ABN AMRO-Geschäftsstellen an die Deutsche Bank ist geplatzt. Mittwochabend wurde bekannt, dass das deutsche Konsortium die Gespräche mit dem niederländischen Finanzminister Wouter Bos (PvdA) aufgrund von Unstimmigkeiten abgebrochen hat. Für Bos bedeutet die Absage einen schweren Rückschlag und eine weitere Zeitverzögerung für seinen Plan, die niederländischen ABN AMRO- und Fortis-Teile zu einer einzigen großen Staatsbank zu vereinigen. Die liberale EU-Wettbewerbskommissarin Neeli Kroes hatte im Oktober 2007 als Bedingung für die Fusion den Verkauf von Anteilen der Banken gefordert, um die Marktmacht der neuen Staatsbank zu beschränken. Die Frist für die Abspaltung wurde vom Finanzminister auf Mitte September hochgehandelt, nachdem bereits zweimal eine Verlängerung der zähen Verhandlung gewährt wurde. Zu der erneuten Verzögerung äußerte er sich bisher nicht. Bos betonte, dass der missglückte Verkauf eine herbe Enttäuschung sei, vor allem für die Angestellten der Banken. Der Handel sei jedoch unter anderem deshalb nicht zustande gekommen, weil die niederländischen Steuerzahler sonst zu viel hätten zahlen müssen. Die Deutsche Bank hatte bereits Mitte 2008 einen Vertrag mit der damals noch selbstständig operierenden ABN AMRO/Fortis geschlossen. Mit der Verstaatlichung der Banken im Oktober 2008 begannen neue Preisverhandlungen mit dem neuen alleinigen Anteilseigner, dem niederländischen Staat. Der jetzt geplatzte Deal wird von niederländischen Medien auf beiderseitige Blockadehaltungen zurückgeführt.

Dem Finanzminister bleiben nun wenige Optionen:

  • Die hypothetische Möglichkeit, die Fusion der Bankenteile komplett fallen zu lassen – was Bos nicht machen wird, da er einzig in der Vereinigung der Bankenteile eine Chance sieht, das Staatsunternehmen wieder gewinnbringend zu verkaufen;

  • Die Fusion wie geplant durchzuführen, jedoch mit einem anderen Käufer und auf die Gefahr hin, eine heftige Buße aus Brüssel zu kassieren;

  • Und, die wahrscheinlichste und von Bos bereits angesprochene Option, mit Brüssel zusammen nach einer Alternative zu suchen. Da die EU-Wettbewerbskommission lediglich beschlossen hat, dass Teile der zu fusionierenden Banken abgestoßen werden müssten, ohne konkrete Angaben zu machen welche, könnte über den Verkauf von Fortis-Anteilen nachgedacht werden. Der Fortis Betriebsrat hat dazu erst kürzlich eine Untersuchung durch einen ehemaligen Spitzenfunktionär durchführen lassen. Die Ergebnisse waren zufriedenstellend, der Verkauf würde viel schneller über die Bühne gehen können und wäre zudem noch billiger als das derzeit geplante Szenario.