Nachrichten Oktober 2009


FINANZEN: Nach Bankenpleite stürzt jetzt das DSB-Imperium

Wognum. TM/VK/NRC/TR. 22. Oktober 2009.

Nur wenige Tage nach der offiziellen Insolvenzerklärung der niederländischen DSB-Bank (NiederlandeNet berichtete) hat der Ausverkauf des Imperiums von Dirk Scheringa begonnen, denn jetzt zieht die Pleite der Bank  auch die anderen Firmen des Eigentümers mit in die Insolvenz. So musste jüngst  die Versicherungs- und Immobiliensparte DSB Beheer Konkurs anmelden, da ihre Schulden von rund 70 Millionen Euro die Besitztümer weit übersteigen. Aber auch die anderen Aktivitäten des Bankers und Sportförderers stehen auf der Kippe. So war Scheringa neben seinem Posten als DSB-Vorsitzender zugleich auch Besitzer des Scheringa-Museums für Realismus im nordholländischen Spanbroek sowie Vorsitzender und Hauptsponsor eines nationalen Eisschnelllaufteams, eines Damen-Rennradteams und des niederländischen Fußball-Erstligavereins AZ Alkmaar, wo auch das in 2006 neu gebaute DSB-Stadion durch den Besitz zu DSB Beheer bis Anfang der Woche noch zum Eigentum des Scheringa-Imperiums zählte.

Für die zahlreichen Aktivitäten von Dirk Scheringa scheint die Zukunft zurzeit noch nicht absehbar zu sein. So kam es in den Wochen vor der offiziellen Insolvenz bereits zu finanziellen Engpässen bei dem hauseigenen Eisschnelllaufteam: Die Sportler mussten selbst die Kosten für ein Trainingslager in Deutschland übernehmen. Aktuell hat auch der niederländische Eislaufbund KNSB angekündigt, dass man dem Team notfalls finanziell beispringen will, um die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen im Februar zu gewährleisten. Und auch die Zukunft des aktuellen niederländischen Fußballmeisters AZ Alkmaar ist im Moment unsicher. Zwar scheinen die Sponsorengelder für diese Saison bereits bezahlt zu sein, wie es danach ohne den großen Hauptsponsor DSB weitergehen wird, ist jedoch ungewiss.

Da das gesamte DSB-Imperium derart stark miteinander vernetzt ist, kann es nach Aussage der eingesetzten Insolvenzverwalter bis zu fünf Jahre dauern, bis alle Gläubiger des Mutterkonzerns DSB Beheer ihr Geld sehen. Die Verwalter haben ab dieser Woche die volle Kontrolle über alle Firmen von Dirk Scheringa und müssen sehen, wo Sie durch Verkäufe Geld für die Gläubiger erzielen können – zur Not auch dadurch, dass der Erstligaklub AZ aus Alkmaar liquidiert wird, wenn ein Verkauf nicht den erwarteten Erlös ergibt. Die Insolvenzverwalter stützten durch Ihre Aussagen zu Beginn der Woche auch den von Scheringa zuvor für die Insolvenz beschuldigten Finanzminister Wouter Bos (PvdA). Die DSB sei „lebensgefährlich“ aktiv gewesen sagten die eingesetzten Vermögensverwalter und schoben die Schuld so wieder zurück an den DSB-Kopf Scheringa. Der behauptete zuvor, dass sein Konzern durch das Unterlassen der Regierung „kaputtgemacht“ worden sei. „Die Bank ist nicht pleite gegangen, weil niemand die Bank retten wollte. Sie ist pleite gegangen, weil sie in großen Problemen war. Die Bank ist durch ihr eigenes Handeln in die Problemzone geraten“, so Bos noch am Montag auf einer Pressekonferenz.

Direkt sichtbar wurde der Untergang des Scheringa-Imperiums jüngst im Konzerneigenen Kunstmuseum in Spanbroek. Dort veranlasste die ABN Amro-Bank am Dienstagabend einen Abtransport von 130 Gemälden – die gesamte Kollektion umfasst 1.300 Bilder und hat einen Marktwert von 46 Millionen Euro. ABN Amro hatte mit der DSB im vergangenen Jahr eine Hypothek über 32 Millionen Euro für den Bau eines neuen Scheringa-Museums in Opmeer abgeschlossen. Sie ist durch die DSB-Pleite jetzt zum direkten Eigentümer sowohl der Kunstkollektion als beispielsweise auch des AZ-Stadions geworden.