Nachrichten November 2009



SOZIALSTAAT: Wie geht es der niederländischen Bevölkerung?

Den Haag. JoK/VK/SCP/TR. 27. November 2009. 

In dem Bericht „De sociale staat van Nederland“ geht das niederländische Beratungsorgan der Regierung in Sachen Sozialfragen, das Sociaal en Cultureel Planbureau (SCP), der Frage nach, wie es der niederländischen Bevölkerung heute geht. Wichtige Lebensbereiche wurden untersucht und es wurde aufgezeigt, wie sich die Einstellung der Bevölkerung in den letzten zehn Jahren in diesen Bereichen verändert hat. Die Untersuchung steht in einer langen Tradition, mithilfe sozialer Indikationen die Lebensqualität in den Niederlanden aufzuzeigen und eine Entwicklung festzuhalten. Neben Fragen politischer und sozialer Natur wird in dem Bericht auch auf verschiedene Gesellschaftsgruppen und deren spezielle Lebenssituationen Rücksicht genommen. Die Rezeption der Wirtschafts- und Finanzkrise innerhalb der Bevölkerung wird ebenfalls so gut es geht mit empirischen Daten dargestellt. Schließlich stellt der Bericht, soweit möglich, die Niederlande in einen direkten Vergleich mit den restlichen EU-Mitgliedsstaaten.

Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass die Niederlande in wichtigen (wirtschaftlichen) Bereichen (wie den Arbeitslosenzahlen, der Inflationsrate und dem Haushaltsdefizit) im zehn-Jahres-Vergleich mit den EU-Partnern am besten abschneiden. Die Teilnahme am Arbeitsmarkt von Frauen, nicht-westlichen Einwanderern und älteren Menschen ist laut Bericht gestiegen, und die wirtschaftlichen Aussichten des Landes seien besser als für die meisten anderen EU-Länder. Das Pro-Kopf-Einkommen steige jährlich durchschnittlich um 1,2 Prozent an, es gebe mehr Reiche und weniger Arme in den Niederlanden und trotz der Finanzkrise gäben noch drei Viertel der Bevölkerung an, dass die Niederlande ein Wohlfahrtsstaat sei. Das SCP fasst zusammen, dass sich die Lebenssituation der Bevölkerung in den letzten zehn Jahren verbessert habe.

Auch mit Blick auf das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung lässt der SCP-Bericht einen positiven Trend sehen: Der Prozentsatz der niederländischen Bevölkerung, der sich „unsicher“ fühle, sei zwischen 2005 und 2008 von 27 auf 20 Prozent gesunken. Rund 84 Prozent der NiederländerInnen gaben, an „glücklich“ oder sogar „sehr glücklich“ zu sein.

Über die Zukunft des Landes denkt die niederländische Bevölkerung weniger positiv: Nur 29 Prozent gehen davon aus, dass der Wohlstand des Landes auch in Zukunft steigen wird. 2006 dachten das noch 68 Prozent. In einem Interview, das die niederländische Tageszeitung Trouw mit der belgischen Politologin und Soziologin Hilde Coffé (Universität Utrecht) führte, gab diese zu verstehen, dass das Verhalten der niederländischen Befragten bei dieser Frage vor allem auf die derzeitige Wirtschaftskrise zurückzuführen sei. Aber auch der sogenannte „Wohlfahrtschauvinismus“ spiele eine Rolle. „Je besser es den Menschen geht, desto ängstlicher werden sie. Sie haben Angst, ihre Besitztümer und Errungenschaften verlieren zu können oder mit anderen Menschen teilen zu müssen.“ Mit Blick auf die Ergebnisse des Berichtes hinsichtlich der Ausländerfeindlichkeit der niederländischen Bevölkerung bleibt Hilde Coffé zurückhaltend, zieht die Wohlstandproblematik aber durchaus in Betracht. 40 Prozent der NiederländerInnen gaben an, dass in den Niederlanden zu viele Ausländer wohnten. Im Jahr 2000 stimmte dieser Aussage noch die Hälfte aller Befragten zu. Zudem finden zwei Drittel, dass die Diskrepanz zwischen Einwanderern und Einheimischen groß sei. Dem Bericht zufolge gab auch eine Mehrheit der befragten Einwanderer an, dass das Erlernen der niederländischen Sprache wichtig sei und dass man „die eigenen Kultur loslassen“ müsse.

Die Lebenserwartung ist in den Niederlanden in den letzten zehn Jahren weiter angestiegen. Im Schnitt haben niederländische Männer eine Lebenserwartung von rund 78 Jahren, Frauen werden den Schätzungen des Berichtes zufolge durchschnittlich 82 Jahre alt. Auffallend bei der Befragung der über-65Jährigen sei der geringe Prozentsatz, der sich unterhalb der Armutsgrenze befinde: waren es 1997 noch 4 Prozent, hat sich die Anzahl innerhalb von zehn Jahren auf 2 Prozent reduziert.