Nachrichten November 2009


PROTESTE: Gewerkschaften demonstrieren gegen Erhöhung des Rentenalters

Rotterdam. CK/AD/Trouw/VK. 24. November 2009. 

„65 bleibt 65. Hände weg von meiner Rente“ – lautete am Samstag die klare Botschaft bei Demonstrationen in Rotterdam, Eindhoven, Assen und Deventer. Rund 30.000 Menschen hatte der niederländische Gewerkschaftsbund erwartet – insgesamt kamen höchstens 15.000 Leute, um gegen die geplante Erhöhung des Rentenalters von 65 auf 67 Jahre zu demonstrieren. In Rotterdam, wo die Hauptprotestveranstaltung statt fand, versammelten sich gerade einmal 5.000 Demonstranten.

Die Gewerkschaften führen dies auf die Verdrossenheit der Menschen zurück: Viele würden glauben, dass man die Erhöhung des Rentenalters sowieso nicht mehr verhindern und Den Haag „seinen eigenen Weg gehen wird.“ Des Weiteren sind die Pläne des Kabinetts für viele zeitlich noch zu weit entfernt: Erst ab 2020 soll das Rentenalter stufenweise zunächst auf 66 und schließlich auf 67 Jahre erhöht werden. Insbesondere die Jüngeren, die Hauptbetroffenen der geplanten Neuregelung, scheinen sich zurzeit noch nicht viele Gedanken über die Zukunft zu machen. Die Anzahl der älteren Demonstranten war auffallend hoch.

Trotz der geringen Teilnehmerzahl sparte die Vorsitzende des niederländischen Gewerkschaftsbundes, Agnes Jongerius, nicht mit Kritik am Kabinett. Dieses hätte „wie ein Dieb in der Nacht“ einen Überfall auf die Renten verübt. Insbesondere mit dem sozialdemokratischen Finanzminister Wouter Bos ging Jongerius hart ins Gericht: Dieser habe inzwischen „seine rote Jacke“ ausgezogen. 2004 hatte Bos noch gemeinsam mit 300.000 Menschen in Amsterdam gegen die Abschaffung der Frührente demonstriert. 
Bos zeigte sich trotz der Kritik zuversichtlich: „Ich hoffe den Gewerkschaftsbund schnell wieder an unserer Seite zu finden, wenn wir demnächst die Arbeitgeber dazu bringen müssen die Arbeitsbedingungen zu verbessern und in ältere Arbeitnehmer zu investieren, so dass niemand frühzeitig ausgebrannt ist.“