Nachrichten November 2009



MENSCHENRECHTSPREIS: Niederländische Tulpe an Frauenaktivistin Shadi Sadr

Den Haag. TM/TR/dT. 10. November 2009. 

Die niederländische „Menschenrechtstulpe“ wurde gestern in Den Haag an die bekannte iranische Juristin und Aktivistin für Frauenrechte, Shadi Sadr, verliehen. Außenminister Maxime Verhagen überreichte der Menschenrechtlerin den Preis stellvertretend für die niederländische Regierung im historischen Rittersaal. Sadr wird damit für „ihren Mut und das Durchsetzungsvermögen geehrt, welches sie beim Beschützen und Fördern der Rechte ihrer Mitbürger gezeigt hat“. Der Preis besteht aus einer bronzenen Tulpe und einem Geldpreis im Wert von 10.000 Euro.

Nachdem der Menschenrechtspreis im vergangenen Jahr erstmals verliehen wurde und an die kongolesische Frauenrechtlerin Justine Masika ging, ist es mit der Iranerin Shadi Sadr auch 2009 wieder eine Aktivistin für Frauenrechte, welche die „Tulpe“ entgegennehmen durfte. Der Anwältin, Journalistin und Forscherin kommt laut der Laudatio von Minister Verhagen die Ehre aufgrund ihres „außergewöhnliches Mutes, ihrer Standfestigkeit und ihrer Arbeit in einem Klima sehr besorgniserregender Menschenrechtsverstöße“ zuteil. In ihrer Funktion als Anwältin verteidigte sie verschiedenste Frauen- und Menschenrechtler im Iran. Im Jahr 2004 gründete sie zudem die Organisation Raahi, welche Untersuchungen zur Verbesserung von Frauenrechten durchführt und Opfern des iranischen Familienrechts unentgeltlich Hilfe anbietet.

Seit diesem Sommer koordiniert Shadi Sadr ihre Aktivitäten aus dem Ausland, nachdem die Anwältin bei einer der Demonstrationen nach den iranischen Präsidentschaftswahlen verhaftet wurde. Nur durch enormen Druck aus dem Ausland konnte eine Freilassung nach elf Tagen erwirkt werden. In Ihrer Dankesrede äußerte Sadr am Montag, dass Sie sich weiterhin große Sorgen über die Menschenrechtsverletzungen im Iran macht. Die europäischen Länder scheinen die dortigen Ereignisse dieses Sommers vergessen zu haben, da mit Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad wieder wie mit einem legitimen Staatspräsidenten verhandelt wird. Zudem stört Sadr, dass lediglich das Thema Nuklearwaffen und nicht die Menschenrechtsverletzungen die Tagesordnung der bi- und multilateralen Gespräche bestimmen. Aus diesem Grund forderte sie die westlichen Staaten auf, den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zur Errichtung eines internationalen Tribunals für den Iran zu drängen.
Während der Preisverleihung an Shadi Sadr kündigte der niederländische Außenminister Maxime Verhagen ebenfalls mit, dass sein Land im kommenden Frühjahr eine Konferenz für Menschenrechtler in Den Haag organisieren wird. Die Zusammenkunft wird sich der Frage widmen, wie die neuen Medien dafür eingesetzt werden können, um die Meinungsfreiheit zu verbessern. Verhagen erinnerte dabei auch an die bedeutende Rolle der sozialen Netzwerke Twitter und Facebook während der Proteste nach den iranischen Wahlen im vergangenen Sommer.

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