Nachrichten Mai 2009


D-NL: Deutschlandbild der niederländischen Nachbarn normalisiert sich weiter

Berlin/Den Haag. TM/CBS/DNHK/fd.nl/TR. 27. Mai 2009.

Bei den nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschen und Niederländern scheint – zumindest was das Deutschlandbild der Niederländer betrifft – mehr und mehr Entspannung einzukehren. In einer aktuellen Leser-Umfrage auf der Internetseite der Finanzzeitung Het Financieele Dagblad äußerten sich jüngst über 95 Prozent der Befragten positiv über Deutschland. Ob die Bundesrepublik in den 60 Jahren ihres Bestehens ein guter Nachbar sei, wollte man von den Niederländern wissen. Mit der Antwortmöglichkeit „Ja, aber wissen die meisten Niederländer dies nicht zu schätzen“ konnten sich dabei 65 Prozent der Befragten identifizieren. Weitere 31 Prozent beschrieben die BRD als eine „Modelldemokratie nach dem Drama des Zweiten Weltkriegs“. Wirklich negativ waren nur sehr wenige Leser eingestellt. Sie sahen den großen Nachbarstaat teilweise weiterhin als Bedrohung für das eigene Land an.

Auch wenn diese Zahlen wenig repräsentativ sind, so werfen Sie doch ein positiveres Bild auf die Einstellungen der Niederländer als man es in der Vergangenheit oft vernommen hat. Die im Jahr 1993 veröffentlichte Clingendael-Studie beispielsweise, in der niederländische Schüler und Erwachsene zu Deutschland befragt wurden, zeichnete noch deutlich negative Ergebnisse. Als „arrogant, dominierend und kriegslüstern“ beschrieben niederländische Jugendliche die oft verächtlich als „Mof“ beschimpften Nachbarn aus dem Osten damals, was dementsprechende Schlagzeilen in der Presse beider Länder nach sich zog. Eine Folgestudie im Jahr 1997 brachte anschließend aber ein positiveres Bild zum Vorschein – negative Eigenschaften wurden von den Befragten weniger und positive vermehrt genannt. Die meisten Klischees über die Deutschen sind schon sehr alt und stammen bereits aus der Zeit vor der deutschen Reichsgründung von 1871. Eine Verschärfung der Einstellungen ergab sich vor allem nach dem Beginn zweiten Weltkrieg und dem deutschen Einmarsch in die Niederlande: Waren es vor dem Krieg die Spanier, die als größter Feind in den Schulbüchern beschrieben waren, so war es nach dem Krieg ganz klar Deutschland.

Wie beliebt Deutschland zurzeit bei unseren Nachbarn ist, zeigt sich an der breiten Medienberichterstattung, die aktuell mit der Wahl des Bundespräsidenten und den Feierlichkeiten des 60jährigen Bestehens von BRD und Grundgesetz noch ausgiebiger als sonst zu sein scheint. Offenbar besteht bei der niederländischen Bevölkerung ein großes Interesse an den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen hierzulande. Zudem liegt Deutschland zum erneuten Mal an der Spitze der beliebtesten Urlaubsländer für die Niederlande. Mehr als drei Millionen Niederländer verbrachten ihren Urlaub im vergangenen Jahr in der Bundesrepublik.

Neben dem Freizeitbereich sind beide Staaten seit sehr langer Zeit auch wirtschaftlich eng miteinander verbunden. So führte Deutschland im Jahr 2007 mit großen Abstand die Liste sowohl der wichtigsten Einfuhr- wie auch der bedeutendsten Ausfuhrländer an. Rund 20 Prozent der in die Niederlande eingeführten Waren stammten dabei aus Deutschland. Nach Deutschland wurden 23 Prozent der ausgeführten Waren exportiert. Trotz dieser großen beiderseitigen Vernetzung wurde von deutschen Betrieben jüngst Unzufriedenheit über die Deutschkenntnisse der Niederländer geäußert. Eine von der Deutsch-Niederländischen Handelskammer (DNHK) in Den Haag Anfang des Monats präsentierte Studie kam zu dem Ergebnis, dass viele deutsche Betriebe sich über das niederländische Bildungssystem beklagen. „Die Niederlande muss sowohl die technische-, als auch die Sprachenausbildung verbessern. Ansonsten drohe der Verlust eines wichtigen Handelsvorteils“, so Monika Milz von der DNHK. Auch aus anderen Studien geht hervor, dass vor allem bei Jugendlichen aus den Niederlanden die Deutschkenntnisse immer mehr zurückgehen. Bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von Betrieben wollen junge Niederländer immer öfter auf Englisch kommunizieren, was bei den großen internationalen Konzernen ja schon lange die normale Verständigungssprache ist. In den deutschen Mittel- und Kleinbetrieben, mit denen niederländische Betriebe vermehrt zusammenarbeiten, ist die führende Sprache jedoch immer noch Deutsch.