Nachrichten Mai 2009


WIRTSCHAFT: Steuerparadies Niederlande? – Liste des Weißen Hauses sorgt für Aufregung

Den Haag. CK/VK/TR. 08. Mai 2009.

Eine Liste des amerikanischen Präsidenten sorgte gestern für Aufregung in Den Haag: Neben Regionen wie Bermuda und den Kaimaninseln erschienen die Niederlande auf einer Liste vermeintlicher Steueroasen. Präsident Obama hatte kurz zuvor angekündigt, härter gegen amerikanische multinationale Konzerne, die über Tochterunternehmen in Steueroasen Geld schleusen, vorzugehen. In den Niederlanden reagierte man überrascht und zeigte sich besorgt über die weltweite Reputation des Landes.

Finanzminister Wouter Bos sprach von einem „nicht gerechtfertigten Bild“. Ein Grund für die Aufnahme in die Liste könnte die große Anzahl amerikanischer Unternehmen in den Niederlanden sein. US-amerikanische und kanadische Unternehmen verzeichnen bei den niederländischen Treuhandstellen einen Umsatzanteil von 18 Prozent. Ein wichtiger Vorteil für ausländische Konzerne in den Niederlanden ist das so genannte Schachtelprivileg, weswegen sie keine zweite Steuer zahlen müssen. Aber nicht nur steuerliche Gründe machen die Niederlande zu einem attraktiven Standort: „Die kommen nicht nur aus steuerlichen Gründen“, so Bos, „sondern wegen des Gesamtbildes: gute Verbindungen zu Schiphol, die Sprachkenntnis und das hohe Ausbildungsniveau der Niederländer“. Er wies „jegliche Assoziation mit den Niederlanden als Steueroase, als Land, in dem Dinge geschehen, die nicht passieren dürfen“ zurück. Nach Gesprächen mit der niederländischen Botschaft in Washington strich das Weiße Haus die Niederlande gestern Nacht von der Liste und ließen verlauten, dass „die Niederlande nicht in diese Reihe gehören“. In den Den Haag zeigte man sich erfreut darüber, dass das Missverständnis so schnell aus der Welt geschaffen werden konnte.