Nachrichten Mai 2009


ANSCHLAG: Heutiger Volkstrauertag im Zeichen der tödlichen Amokfahrt

Amsterdam. TM/NRC/TR/VK. 04. Mai 2009.

Anfang Mai wird in den Niederländen traditionell an jene Landsleute gedacht, die seit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges im Krieg oder in Friedensoperationen ums Leben gekommen sind. So feiert man am 4. Mai den nationalen Volkstrauertag (Nationale Dodenherdenking), der traditionell mit einer Kranzniederlegung am nationalen Monument auf dem Dam in Amsterdam und einer landesweiten Schweigeminute um 20 Uhr begangen wird. Einen Tag später stehen dann mit dem Bevrijdingsdag die Feierlichkeiten zum Ende der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg an.

Durch die Amokfahrt in Apeldoorn am Koninginnedag in der vergangenen Woche (NiederlandeNet berichtete) werden bei den Feierlichkeiten der Kranzniederlegung am heutigen Tag erstmals wohl weniger Zuschauer direkt beiwohnen können. Durch spezielle Sicherheitsmaßnahmen wird auf dem Dam wohl weniger Platz zur Verfügung stehen. Gleichzeitig spekuliert man aber, dass aufgrund des Anschlags auf die Königsfamilie in der vergangenen Woche vielleicht mehr Menschen als im Vorjahr den Weg nach Amsterdam suchen werden. Der offene Charakter der Gedenkfeier soll nach Angaben von Amsterdams Bürgermeister Job Cohen aber erhalten bleiben.

Die höheren Sicherheitsmaßnahmen haben auch damit zu tun, dass die Königin – zusammen mit Kronprinz Willem-Alexander und seiner Frau Maxima – an der Kranzniederlegung teilnehmen werden. Es sei der ausdrückliche Wunsch der Königin gewesen, sowohl bei der Gedenkveranstaltung als auch am Folgetag beim traditionellen Befreiungskonzert an der Amstel anwesend zu sein. Die Königsfamilie zeigt sich somit erstmals nach den dramatischen Geschehnissen bei den Feierlichkeiten am Königinnentag wieder in der Öffentlichkeit. Zuvor hatte die Königin am Samstag schon außerhalb der Öffentlichkeit in verschiedenen Krankenhäusern Opfer der Amokfahrt besucht und sich über ihren Gesundheitszustand informiert.

Bereits am Freitag begann für das Staatsoberhaupt schon wieder der Arbeitsalltag, obwohl sich die Königin noch am Donnerstag in einer Fernsehansprache aus dem Palast Het Loo sehr betroffen gezeigt hatte. An ihren Worten merkte man, dass sie die Geschehnisse doch stark mitgenommen hatten: „Was als ein prächtiger Tag begann ist in einem furchtbaren Drama geendet, welches uns alle sehr tief geschockt hat.“

Für kommenden Freitag ist in Apeldoorn eine offizielle Gedenkfeier für die inzwischen sieben Todesopfer der Amokfahrt angekündigt worden, bei der die Königsfamilie auch teilnehmen wird. Das Motiv des Amokfahrers Karst T. ist inzwischen weiterhin unklar und wird es nach den bisherigen Informationen auch bleiben. Zwar läuft im Moment noch die Untersuchung durch den nationalen Koordinator zur Terrorismusabwehr; durch den Tod des Attentäters ist die Hoffnung auf weitere Hinweise zu den Motiven der Tat allerdings weiter geschmolzen. Eine interne Evaluation der Sicherheit am 30. April soll jetzt noch Aufklärung darüber bringen, wie der Täter mit seinem Auto so dicht an den Bus der Königsfamilie kommen konnte.

Unterdessen werden Spekulationen zu einer Ausweitung der Sicherheit bei kommenden Königinnentagen oder gar dem Ende des Nationalfeiertages in der bisherigen Form mit dem direkten Kontakt zwischen Volk und Königsfamilie lauter. Prinz Constantijn sprach sich am Sonntag während einer der Hauptnachrichtensendung allerdings strikt gegen großartige Veränderungen aus. Der Königinnentag müsse das bleiben was er ist und der offene Charakter dürfe nicht verlorengehen. Der Anschlag dürfe laut Constantijn keine Veränderung zur Folge haben.