Nachrichten MÄRZ 2009


GESELLSCHAFT: Die Niederlande – die calvinistische Nation der Welt? – Balkenende eröffnet Ausstellung in Berlin

Berlin. CK/DeutschesHistorischesMuseum/Minbuza. 31. März 2009

„Calvinismus. Die Reformierten in Deutschland und Europa“  - unter diesem Motto wurde heute Nachmittag in Berlin eine neue Ausstellung des Deutschen Historischen Museums eröffnet. Bis zum 19. Juli präsentiert die Ausstellung anlässlich des 500. Geburtstags des Genfer Reformators Johannes Calvin (Noyon 1509 – 1564 Genf) die Anfänge, Verbreitung und Auswirkungen des Calvinismus in Deutschland und Europa. Die Eröffnungsrede hielt der niederländische Ministerpräsident Jan Peter Balkenende, was aufgrund der engen Verbindung zwischen dem Calvinismus und den Niederlanden nicht verwundert: Für viele gelten die Niederlande gar als die calvinistische Nation der Welt.
„Niederländer sind Calvinisten“, konstatierte auch Balkenende in seiner Rede – möchte dies jedoch nicht nur im religiösen Sinne verstanden wissen: Viele Niederländer besäßen Eigenschaften, die schlechthin als „calvinistisch“ angesehen werden würden, wie Fleiß, Sparsamkeit und Festigkeit in der Überzeugung. Zugleich relativierte er dieses Bild jedoch: „Die Niederlande sind natürlich nicht nur das Land Calvins, ebenso wenig wie Deutschland nur das Land Luthers ist. Das Denken von Erasmus und Christiaan Huygens, das bahnbrechende Werk von Wissenschaftlern wie Hugo Grotius und Anthonie van Leeuwenhoek, das einzigartige Licht Rembrandts und Vermeers – auch das hat mein Land durch die Jahrhunderte geprägt.“ In der Summe ihrer Traditionen seien die Niederlande „genauso calvinistisch wie freiheitlich, pluralistisch und tolerant.“

Auch aktuell maß Balkenende Calvin und seinen Werten eine große Bedeutung bei. Calvin war nicht nur Theologe, sondern zugleich auch Vertreter einer spezifische Wirtschafts- und Arbeitsmoral. So sprach er sich vehement gegen Wucher und Dekadenz aus und forderte eine Zurückstellung der kurzfristigen Interessen des Einzelnen zugunsten der langfristigen Interessen der Allgemeinheit. Moralische Ansätze, auf die man sich, so Balkenende, gerade zu Zeiten der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise zurückbesinnen müsse.