Nachrichten Juni 2009


ERNÄHRUNG: Niederlande sollen Spitzenreiter der nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion werden

Den Haag. JoK/minlnv.nl/TR. 30. Juni 2009.

Die niederländische Landwirtschaftsministerin Gerda Verburg (Ministerium für Landwirtschaft, Natur und Nahrungsmittelqualität) hat gestern bei der Präsentation des Berichtes „Nachhaltige Nahrung“ (Duurzaam Voedsel) ambitionierte Zielsetzungen vorgetragen. Die Niederlande sollen die Weltgemeinschaft auf dem Weg in eine nachhaltige und klimaneutrale Nahrungsmittelproduktion anführen und bis 2015 an der Spitze dieser Bewegung zu finden sein. Der Eifer ist groß, die Aussichten gedämpft.

Die Niederlande sind im Moment, nach den USA, mit einem Volumen von rund 60 Milliarden Euro weltweit der zweitgrößte Exporteur von Agrarprodukten. Die weltweite Lebensmittelproduktion steht unter großem Druck, da der stark steigende globale Konsum an Fleisch, Fisch und Milchprodukten und deren Produktion und Distribution immense Auswirkungen auf das Ökosystem haben. Der derzeitige Anteil der Nahrungsmittelproduktion an den weltweiten Umweltverschmutzungen beträgt rund 30 Prozent.

Die Wettbewerbs- und Innovationskraft des niederländischen Nahrungsmittelsektors soll darum zu einer Verbesserung und Umgestaltung der internationalen Lebensmittelproduktion beitragen: Verburg zufolge haben die Niederlande mit ihrem großen Landwirtschafts- und Nahrungsmittelsektor eine „einmalige Möglichkeit“, einen aktiven Beitrag zur Lösung des Problems der Umweltzerstörung beizusteuern. 20 Millionen Euro werden für das Vorhaben, innerhalb der nächsten sechs Jahre globales Vorbild zu sein, bereitgestellt.

Die „verduurzaming“, also die nachhaltige Ausrichtung des niederländischen Landwirtschaftssektors bzw. seiner Produkte, nahm im Jahre 2007 um ein Prozent zu. Ministerin Verburg, sieht in der hoch technologisierten und quantitätsbewussten niederländischen Landwirtschaft genug Potential, das mit Hilfe ihres Programms in Bewegung gesetzt werden und in kürzerer Zeit zu gesteigerten Ergebnissen führen könne. Andere hoffnungsvolle Beispiele bestätigen ihre Sicht: so wollen zum Beispiel niederländische Supermärkte spätestens 2011 ausschließlich bestandserhaltend gefangenen Fisch verkaufen.

Das Stimulieren des Angebotes von und der Nachfrage nach nachhaltigen Nahrungsmitteln ist das Herzstück des Berichtes; die Erhöhung des Marktangebotes nachhaltig produzierter Lebensmittel das Ziel. Die Mitarbeit aller Betroffenen, sowohl der Produzenten als auch der Konsumenten, sei ausschlaggebend und allen Beteiligten durchaus bewusst, so Verburg. Die Ministerin plant darum eine neue, aus Vertretern der Industrie und des Staates bestehende Plattform (Nachhaltige Nahrung) einzurichten, in welcher verbindliche Vereinbarungen formuliert werden, die eine Einführung dieser Lebensmittel nicht nur in Supermärkten, sondern auch im Gaststättengewerbe und in Geschäfts- und Sportkantinen fördern sollen. Konkrete Maßnahmen sollen die Produktionsketten mit Blick auf ihre Nachhaltigkeit verbessern. Unternehmen sollen angespornt werden, nachhaltig produziertes Gemüse, Früchte, Fleisch- und Fischprodukte anzubieten. Verburgs Ministerium geht mit gutem Beispiel voran und hat seine Kantine bereits auf die Verarbeitung von ausschließlich nachhaltig produzierten Nahrungsmitteln umgestellt.

Konsumenten sollen durch intensive Informationskampagnen und überzeugendes Marketing auf die Qualität und die Wichtigkeit ökologisch einwandfrei produzierter Nahrungsmittel aufmerksam gemacht werden. Verburg verkündete, dass sie sich dabei vor allem auf die große Gruppe derjenigen richten wolle, die bereits ab und zu ‚bewusst’ einkaufen. Aber auch das junge Publikum soll auf breiter Front angesprochen werden, damit es sich seiner Wahlmöglichkeit und Verantwortung bewusst werde.

Die Ministerin plant darüber hinaus, der immensen Nahrungsmittelverschwendung vorzubeugen. Schätzungen zufolge werden alleine in den Niederlanden pro Jahr Lebensmittel im Wert von 1,6 Millionen Euro schlicht weggeworfen. Dazu kommen noch etwa 2 Milliarden Euro, die bei der Nahrungsmittelproduktion und –verarbeitung sowie beim Transport und Verkauf verloren gehen. Der Bericht sieht Wiederverwertungsmaßnahmen für diese Nahrungsmittel vor, die vor allem in Zusammenarbeit mit der Ökonomie zustande kommen sollen, da auch der Wirtschaft eine Verringerung der Verschwendung zugute komme. Bis 2015 hat Verburg vor, die Wegwerfmentalität um 20 Prozent zu verringern.

Mit Blick auf die Innovationskraft der Niederlande hat die Ministerin schließlich geplant, die Debatte über die Verwendung genetisch veränderter Organismen anzukurbeln. Angesichts der hochemotional geführten Diskussion sollen „nun endlich Fakten ausgetauscht werden“.