Nachrichten Juni 2009


KULTUR: Präsident Medwedew und Königin Beatrix eröffnen die Hermitage Amsterdam

Amsterdam. JoK/HermitageAmsterdam/VK. 20. Juni 2009.

„A crazy idea“ entgegnete 1997 der Direktor des russischen Staatsmuseums Eremitage in St.-Petersburg, Michail Piotrovsky, auf den Vorschlag, ein altes, aus dem 17. Jahrhundert stammendes Gebäude an der Amstel, mitten im Zentrum Amsterdams, in eine Dependance des berühmten Museums zu verwandeln. „A crazy but fantastic idea“ – und morgen, rund zehn Jahre später, eröffnet in Amsterdam ein neues Prestigeobjekt, ein russisches Kulturzentrum, das seine Wurzeln in der berühmten Sammlung hat: Die Hermitage Amsterdam. Voller Stolz erzählt Ernst W. Veen, Direktor der Hermitage Amsterdam, diese kleine Anekdote zum Hintergrund der Entstehung des bisher ersten Ablegers des weltbekannten Kunstmuseums - UNESCO-Weltkulturerbe und zentraler Ort russischer Kulturgeschichte.

Am Samstag, 20. Juni, wird um 10 Uhr die feierliche Eröffnung in Anwesenheit der niederländischen Königin Beatrix und des russischen Präsidenten Dmitry Medwedew beginnen. Auch der niederländische Thronfolger Willem-Alexander und seine Frau Prinzessin Máxima werden erwartet. Die Feierlichkeiten werden mit dem „Witte Nacht Festival“ (Festival der Weißen Nacht) in einen 31-stündigen Festmarathon eingebettet, der mit zahlreichen kulturellen Aktivitäten und Konzerten im neuen Museum, dessen Innenhof und entlang der Amstel begangen wird. In dieser Zeit wird die Hermitage Amsterdam durchgehend für alle Besucher geöffnet sein.

Das Gebäude der Hermitage Amsterdam, dessen Errichtung ein reicher niederländischer Kaufmann im ausgehenden 17. Jahrhundert der Amsterdamer Diakonie durch sein großzügiges Erbe ermöglichte, diente seit nunmehr 324 Jahren als Altenheim für rund 400 Bewohner. Der Amstelhof hatte seinerzeit mit einer Länge von 102 Metern, die längste Fassade der Stadt. Charakteristisch für den Altbau sind die klassizistischen Frontgiebel und der ansonsten schlichte, symmetrische Bau. Die Umbauarbeiten, die zwischen 2007 und 2009 stattfanden, haben das Pflegeheim in ein 9.000 Quadratmeter umfassendes, modernes, multifunktionales Museum umgestaltet, das neben den zwei Hauptausstellungssälen und 44 Kabinetten ein Café-Restaurant, Geschäfte, ein Auditorium und Studienzentrum, sowie eine Eremitage für Kinder beinhaltet. Auch die historischen Räumlichkeiten, der alte Kirchensaal, die Regenten-Kammer und der Innengarten, wurden beibehalten. Die typische Längsfront des Gebäudes blieb dabei bestehen, wodurch es seinem an der Newa gelegenen Vorbild auch äußerlich ein weiteres Stückchen ähneln dürfte.

Die erste Ausstellung des Museums „Am Russischen Hof. Palast und Protokoll im 19. Jahrhundert“, zeigt das glanzvoll Hofleben der sechs in dieser Periode regierenden Zaren und Zarinnen: vom ausführlichen Hofprotokoll, den festlichen Bällen, den ausgedehnten Tischzeremonien bis hin zu den prachtvollen Kleidern, Accessoires und wertvollen Schmuckstücken. Die Staatliche Eremitage in St. Petersburg leiht der niederländischen Dependance rund 1.800 einzigartige Exponate, darunter unter anderem den berühmten Romanow-Thron, Juwelen von Fabergé und den Flügel der letzten Zarin. Die Sammlung verspricht mit ihrem riesigen Umfang eine der größten organisierten Ausstellungen in den Niederlanden zu werden.

Die Hermitage Amsterdam wird ab Samstag, 20. Juni 2009, täglich zwischen 10:00 und 17:00, mittwochs bis 20:00, geöffnet sein. Die Ausstellung „Am Russischen Hof. Palast und Protokoll im 19. Jahrhundert“ ist noch bis zum 31. Januar 2010 zu besichtigen. Wegen der Eröffnungsfeier ist das Museum vom 20. bis 21. Juni 2009 durchgehen offen. Mehr Informationen unter: Hermitage Amsterdam