Nachrichten Juni 2009


BILDUNGSWESEN: Finanzierung und Bildungsniveau höher als EU-Durchschnitt

Den Haag. JoK/CBS.nl/TR/VK. 18. Juni 2009.

Gute Nachrichten für das niederländische Bildungswesen: Wie das niederländische Statistikamt CBS diese Woche veröffentlichte, gab der niederländische Staat im Jahr 2005 ungefähr 5,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP)– und damit 0,4 Prozent mehr als im EU-Durchschnitt – für den Bildungssektor aus. Im europäischen Vergleich befinden sich die Niederlande damit im positiven oberen Drittel der Statistik. Im direkten Vergleich der 25 EU-Mitgliedsstaaten gibt bereits seit Jahren die dänische Regierung mit 8,3 Prozent des BIP am meisten für die Bildung ihrer Bevölkerung aus. Im Vergleich zum Jahr 2000 sind die Staatsausgaben der EU-25 für den Bildungssektor mit gut 0,5 Prozent des BIP angestiegen. Das CBS gab bei den veröffentlichen Zahlen allerdings zu bedenken, dass die Steigung der Staatsausgaben in den Niederlanden im Bildungssektor vor allem dadurch zu erklären sei, dass eine Anzahl vorher nicht berücksichtiger Posten in die Rechnung miteinbezogen wurden: So werden inzwischen auch die Ausgaben des privaten Bildungsbereiches mitgerechnet. Zweidrittel der Ausgabensteigerung sei zudem auf die Ausgaben von Betrieben zurückzuführen, welche ihre Lehrlinge und Praktikanten im dualen Bildungsbereich finanzierten.

Aus der CBS-Statistik geht zudem hervor, dass das Bildungsniveau in den Niederlanden erneut über dem EU-Durchschnitt liegt. So hätten im Jahr 2007 gegenüber einem EU-Durchschnitt von 25 Prozent ganze 31 Prozent der 25- bis 64-Jährigen NiederländerInnen erfolgreich einen Hochschulabschluss erreicht. Verglichen mit den Ergebnissen aus dem Jahr 2003, indem gerade einmal ein Viertel der untersuchten Altersgruppe einen vergleichbaren Abschluss schaffte, nennt die niederländische Tageszeitung Trouw dies eine ordentliche Entwicklung. Innerhalb der EU unterscheiden sich die Anteile der Akademiker in der Bevölkerung teilweise recht stark. So verzeichnet Deutschland einen Anteil von 24 Prozent, Frankreich verfügt über einen Anteil von 27 Prozent an Personen mit Hochschulabschluss und Großbritannien und Irland kommen auf 32 Prozent. Traditionell punkten vor allem die skandinavischen Ländern im Bildungsniveauvergleich: So lag Finnland lag mit einem Anteil von 36 Prozent an Hochschulabgängern weit vorne. Aber auch die neueren Beitrittsländer wie Lettland oder Zypern verzeichneten ein vergleichsweise hohes Bildungsniveau.

In diversen niederländischen Medien wurde jedoch mit Blick auf die eigentlich durchaus positiv zu bewertende Entwicklung gewarnt: Die steigende Anzahl von Auszubildenden, die nicht zuletzt durch die pessimistischen Arbeitsmarktchancen eher eine weitere Hochschulausbildung absolvieren möchten, aber auch die vergleichsweise geringen Ausgaben seitens des Staates in den Bildungssektor, werden zu deutlichen Problemen führen: Die Konkurrenzsituation der Studierenden innerhalb des Landes dürfte sich verstärken, aber auch die Profilschärfung im Hinblick auf das Ausland dürfte schwerer Fallen, da der einzelne Student weniger Zuwendung bekomme und somit weniger attraktiv für den zukünftigen Arbeitsmarkt sein wird.