Nachrichten Juni 2009

ENERGIE: Die Niederlande feiern Erdgasfund von vor 50 Jahren

Slochteren. TM/NRC/VK/TR. 17. Juni 2009.

Der 22. Juli 1959 bedeutete für die Niederlande ein Stück zusätzlichen Wohlstand, ohne den das Land heute wohl ein wenig anders aussähe: Es gäbe kein großes Sturmflutwehr in der Oosterschelde, keinen Hochgeschwindigkeitszug und auch die Staatsschulden würden viel höher ausfallen. Grund für diese Zeichen eines höheren Wohlstandes ist die erste Gasgewinnung an jenem Sommertag vor 50 Jahren, die in den Niederlanden in diesen Tagen ausgiebig gefeiert wird. Die Erdgasvorkommen von Slochteren – eines der größten Erdgasfeldern weltweit – liegen dabei in einer Tiefe von mehr als zweieinhalb Kilometern unter der Provinz Groningen. Das Erdgas selber ist von tiefem Sandstein eingeschlossen und einer dicken Sandschicht bedeckt. Der offizielle Festakt zum Jubiläum wurde gestern durch Königin Beatrix eröffnet, die eine Skulptur in Form eines riesigen Gasmoleküls einweihte. Die Feierlichkeiten werden noch die kommenden drei Monate andauern und von einem abwechslungsreichen Kulturprogramm mit Theatervorstellungen, Ausstellungen und einem Feuerwerk rund um die Gemeinde Slochteren andauern.

In der Rückschau war der Erdgasfund am Ende der 1950er Jahre ein wahres Geschenk für den niederländischen Staat. Es wird geschätzt, dass der Verkauf des Erdgases bis zum heutigen Tag rund 200 bis 211 Milliarden Euro in die Staatskasse gespült hat. In manchen Jahren war dies mehr als fünf Prozent des Bruttonationaleinkommens der Niederlande und im Jahr 1975 machten die Erlöse sogar 10 Prozent der Haushaltseinkommen aus. Durch diese zusätzlichen Einnahmen lässt sich zu einem gewissen Stück auch der heutige Wohlstand der Niederlande erklären. Von Beginn der Bohrungen an flossen die Gewinne aus den Gasverkäufen in einen gemeinsamen Topf des Staates, aus dem Zinsen und Staatsschulden genauso finanziert wurden wie Bildungsausgaben, Pflegekosten oder große Bauprojekte für das ganze Land. Aus Sicht der eigenen Bevölkerung hat die Region rund um Groningen jedoch viel zu wenig von dem Erdgas profitiert, welches unter ihren eigenen Füßen liegt. Nach Ansicht vieler Anwohner fließen die Gelder eher in die Region Randstad rund um Amsterdam als in die eigene.

Andere Kritiker beanstanden seit jeher die Art der Projekte, welche aus dem großen Geldtopf finanziert wurden. Anstatt –  wie es Ökonomen forderten – die begrenzten Einnahmen durch Investitionen in nachhaltige Projekte geschickt zu vermehren, seien auch viele Gelder verschwendet worden. Daran konnte anscheinend auch die Einrichtung des FES-Fonds im Jahr 1995, nicht viel ändern. Der Fonds wird aus den Erdgaseinahmen gespeist und verfolgt den Zweck, nachhaltige Investitionen in Infrastrukturprojekte – seit dem Jahr 2005 auch in die Wissensgesellschaft – zu fördern. Der Löwenanteil der Einnahmen fließt jedoch immer noch in andere Ausgaben.

Durch die enormen Erdgasreserven spielen die Niederlande auf dem internationalen Gasmarkt eine nicht unbedeutende Rolle. Jüngste Pläne der niederländischen Wirtschaftsministerin Maria van der Hoeven (CDA) sehen vor, dass sich das Land in Zukunft dem weltweiten Erdgas-Kartell GASPEC anzuschließen. Die Niederlande wäre dabei nach Norwegen der zweite Europäische Staat und würde in Form eines Beobachterstatus ein Auge auf die das Forum dominierenden Staaten wie Russland, Indonesien, Libyen und Venezuela werfen. Wie lange die Niederlande diesem Staatenkreis angehören werden ist bereits jetzt abzusehen. Die Erwartungen sagen nämlich voraus, dass die nationalen Erdgasvorkommen noch für Maximal 200 Milliarden Euro an Gewinnen reichen – dass sind alle Vorräte im Erdboden aufgebraucht.