Nachrichten Juni 2009


ZWEITER WELTKRIEG: Tagebücher der Anne Frank permanent zugänglich – Gedenktag zum 80. Geburtstag

Den Haag/Amsterdam/Berlin. JoK/annefrank.org/AFZ/ARD/NRC/VK. 12. Juni 2009.

Annelies Marie Frank wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren und wäre heute 80 Jahre alte geworden. Ihre Tagebücher aus dem Amsterdamer ‚Achterhuis‘ machten das Mädchen, das 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen starb, weltbekannt. Neben den Feierlichkeiten und Jubiläumsausstellungen in den Niederlanden, so zum Beispiel die Einweihung einer Wachsfigur Anne Franks im Museum Madame Tussauds in Amsterdam, wurde der 80. Geburtstag des Mädchens auch in Berlin mit einem großen Festakt im Deutschen Theater begangen. Als Ehrengäste waren die Schulfreundin Hannah Pick-Goslar und Anne Franks Cousin Buddy Elias geladen. Die Schauspielerin Heike Makatsch las aus Teilen der Tagebücher vor. Der ehemalige niederländische Premierminister Wim Kok, der auch Vorsitzender des Aufsichtsrates des Anne Frank Hauses in Amsterdam ist, würdigte den Nachlass Franks und ihr „literarisches Talent“. Auch Kulturstaatsminister Bernd Naumann betonte die Bedeutung historischer Überlieferungen und authentischer Orte. Er verkündete, dass die Finanzierung der Gedenkstätte Bergen-Belsen für 2009 gesichert sei.

Die Gedenkstätte Westerbork in den Niederlanden, ein Durchgangslager in welchem auch Anne Frank vorübergehend festgehalten wurde, konnte gestern ebenfalls verlauten lassen, dass sie einen weiteren Beitrag zum Erhalt des kulturellen Erbes sichern konnte: Die nach dem Krieg abgebaute und als Landbauscheune umgebaute Baracke, in welcher Anne und ihre Schwester Margot 1944 arbeiten mussten, wird in Westerbork wieder aufgebaut. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit dem heutigen Eigentümer wird die alte Batterienwiederverwertungsbaracke restauriert und an ihrem ursprünglichen Standort wieder aufgebaut.

Die Aufzeichnungen Anne Franks erfahren mit Übersetzungen in über 70 Sprachen bis heute weltweite Aufmerksamkeit. Der Historiker Cees Fasseur nennt Anne Frank darum auch eine „Ikone“, vergleichbar mit Rembrandt oder Johan Cruijf, die ihm zufolge für die Niederlande und ihre Bewohner zu einem positiven Bild im Ausland führt.

Ab November 2009 werden sämtliche Tagebücher und Aufzeichnungen permanent im Anne Frank Haus in Amsterdam zugänglich sein. Darauf einigten sich das niederländische Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft (OCW), das Niederländische Institut für Kriegsdokumentation (NIOD), die Königliche Niederländische Akademie der Wissenschaften (KNWA) und die Anne Frank Stiftung (AFS). Otto Frank (†1980), Vater von Anne und einziger Überlebender der vierköpfigen jüdischen Familie, vermachte dem NIOD in seinem Testament alle Tagebuchaufzeichnungen, Schriften, Korrespondenzen und Fotoalben seiner Tochter. Als Teil der NIOD Sammlung wurden die Überlieferungen bereits regelmäßig der Anne Frank Stiftung als Leihgabe zu Verfügung gestellt. Bisher jedoch wurde noch nie alle Aufzeichnungen gleichzeitig ausgestellt. Mit dem am Donnerstag unterzeichneten Vertrag, ist es der AFS nun möglich, die wertvollen Zeitdokumente permanent dem internationalen Millionenpublikum, das jährlich in die Prinsengracht in Amsterdam kommt, zugänglich zu machen. Ab dem 1. November 2009 wird ein neuer Raum im Achterhuis mit den Buchaufzeichnungen (drei Tagebücher, das „Geschichtenbuch“ und das „Schöne Sätze“-Buch) und einer wechselnden Auswahl der ab 1944 beschriebenen wertvollen, einzelnen Pergamente ausgestellt werden. 

Der niederländische Bildungsminister, Ronald Plasterk, betonte seine große Zufriedenheit darüber, dass die Tagebücher an ihrem Entstehungsort zu besichtigen sein werden: „Ich hoffe und erwarte, dass das Interesse an ihrer Geschichte, unserer Geschichte, noch weiter steigen wird“. Marjan Schwegman, Direktorin des NIOD betonte ebenfalls die Besonderheit der Überlieferungen: „Ihre [Anne Franks] Erfahrungen sind einzigartig und exemplarisch. Sie sprechen darum Millionen Menschen auf der ganzen Welt an. Durch diese neue Einigung wird ihre Lebensgeschichte noch mehr Tiefgang erfahren und dadurch noch mehr Eindruck machen.“