Nachrichten Januar 2009


KULTUR: Ramsey Nasr ist neuer "Dichter des Vaterlandes"

Amsterdam. FN/NRC/VK. 29. Januar 2009.

Der niederländisch-palästinensische Dichter Ramsey Nasr ist zum „Dichter des Vaterlandes“ gewählt worden. Er ist Nachfolger von Driek van Wissen, der den Titel in den vergangenen vier Jahren tragen durfte.

Im Jahr 2000 wurde erstmals in den Niederlanden der Titel „Dichter des Vaterlandes“ verliehen. Die Idee stammt aus Großbritannien. Dort gibt es seit dem 16. Jahrhundert das „Poet Laureate“, ein auf Lebenszeit verliehenes Amt eines Hofdichters. Die Tradition geht auf die Antike zurück. Damals war es Brauch, hervorragende Dichter mit einem Lorbeerkranz zu schmücken. In den Niederlanden und Belgien ist es üblich, dass es offizielle „Stadtdichter“ gibt. Dazu stellt die Verwaltung einen Dichter als „städtischen Mitarbeiter“ an, um Gedichte über die Stadt und über besondere Ereignisse zu verfassen. Der „Dichter des Vaterlandes“ soll darüber hinaus für die ganze Nation da sein. Verantwortlich für die Wahl des Dichters ist die Tageszeitung NRC Handelsblad, der öffentlich-rechtliche Sender NSP und die Stiftung Poetry International. Jeder kann sich an der Wahl beteiligen, in diesem Jahr stimmten insgesamt rund 19.000 Menschen ab. Nasr konnte sich gegen mehrere andere zur Wahl stehende Kandidaten durchsetzen. So konnte dem erst 35 Jahre alten Ramsey Nasr gestern Abend der Titel für die nächsten vier Jahre verliehen werden.

Nasr ist in Rotterdam als Kind eines palästinensischen Vaters und einer niederländischen Mutter geboren worden. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet Nasr auch als Schauspieler. Für die belgische Stadt Antwerpen, in der er lebt, war er als Stadtdichter tätig. In seinem Werk behandelt er häufig gesellschaftspolitische Themen. In letzter Zeit äußerte sich Nasr vor allem zum Israel-Palästina-Konflikt. Über die Ehre, als „Dichter des Vaterlandes“ ausgezeichnet zu werden, zeigte sich Ramsey Nasr sehr erfreut. Die Verleihung wurde gestern im Fernsehen ausgestrahlt. Für den jungen Dichter war dies ein ganz besonderes Geschenk, da er außerdem Geburtstag hatte.