Nachrichten Januar 2009


WIRTSCHAFT: „Das Gewächshaus als Energiequelle“

Den Haag. FN/Tagesspiegel/minlv.nl. 16. Januar 2009.

Die Niederlande werben als diesjähriges Partnerland der Internationalen Grünen Woche (IWG) in Berlin für den umweltfreundlichen Landbau.

Zur Eröffnung wurden Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit gestern von der niederländischen Landwirtschaftsministerin Gerda Verburg am Stand der Niederlande empfangen. Die Niederlande sind als Agrarland Stammgast auf der IWG. Bereits zum 57. Mal in Folge sind sie auf der international wichtigsten Messe für Ernährungswirtschaft, Landwirtschaft und Gartenbau vertreten. Nach den USA sind die Niederlande weltweit der zweitgrößte Exporteur landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Deutschland ist stärkster Abnehmer für Agrarprodukte aus den Niederlanden. Etwa ein Viertel der gesamten niederländischen Agrarproduktion wird auf dem deutschen Markt abgenommen. „Wir handeln traditionell mit Qualitätsprodukten aus eigenem Anbau, und das schon seit vielen Jahrhunderten. Das können sie auf der Grünen Woche sehen, fühlen und schmecken“, kündigt Landwirtschaftsministerin Verburg (CDA) an. Die niederländische Partnerschaft für die Grüne Woche 2009 steht unter dem Motto „Qualität von Nebenan“.

Ein Großteil der niederländischen Agrarerzeugnissen wird auf Grund des unbeständigen Klimas in Nordwesteuropa in Gewächshäusern gezüchtet. Dies ermöglicht den ganzjährigen Anbau – zum Beispiel von Tomaten. Das Heizen im Winter und Kühlen im Sommer erforderte bisher viel Energie. Geheizt wird in der Regel mit Erdgas, gekühlt mit Strom. Eine nachhaltige, energieeffiziente Lösung stellen die Niederländer nun anlässlich der Landwirtschaftsmesse vor. Dabei dient das „Gewächshaus als Energiequelle“, erklärte der Gartenbauexperte des niederländischen Landwirtschaftsministeriums Peter Oie. Nicht nur in den Messehallen, sondern auch im Sony-Center am Potsdamer Platz ist ein „Energiespargewächshaus“ zu besichtigen. Als „Energierevolution im Unterglas-Anbau“ bezeichnete Peter Oie den neu entwickelten Wärmetauscher für Gewächshäuser. Das Prinzip beruht auf der Speicherung von Wärmenergie. Peter Oie erklärt das System so: „Im Sommer pumpen wir Grundwasser aus dem Erdreich unter der Gärtnerei ins Gerät, es gibt Kälte an die Luft ab und nimmt gleichzeitig deren Wärme auf – danach wird es wieder in den Untergrund gepumpt.“ Dort wird die Wärmeenergie gespeichert, bis man das Wasser im Winter wieder hochgepumpt und der Prozess umgekehrt abläuft. „Abgasfrei gewinnen wir mehr Energie als wir hineinstecken“, bilanziert der Gartenbauexperte. So kann beispielsweise mit der überschüssigen Energie Wohnraum beheizt werden. Für die über 10.000 Hektar große Fläche, die in den Niederlanden mit Hilfe von Gewächshäusern bewirtschaftet wird, könnte der Wärmetauscher eine nicht nur klimafreundliche, sondern in Zeiten von steigenden Energiepreisen auch kostengünstige Alternative darstellen. Peter Oie konnte mit Begeisterung verkünden, dass die Tomaten- und Blumenzucht in den Niederlanden „keineswegs umwelt- und klimaschädlich sein muss“.