Nachrichten Januar 2009


KULTUR: Niederländische Museen untersuchen Kunstankäufe aus NS-Zeit

Amsterdam. CK/NRC/ANP/AD. 07. Januar 2009.

Die Diskussion um geraubte oder zwangsverkaufte Kunstgegenstände jüdischer Eigentümer spielt nicht nur in Deutschland seit langem eine Rolle. Auch in den Niederlanden wurde in der Vergangenheit bereits viel für die Aufarbeitung dieses Kapitels und für die Rückerstattung der Kunstobjekte an die Erben getan. Im Mittelpunkt stand dabei die Zeit der deutschen Besatzung (1940-1945). Wie die Niederländische Museumsvereinigung kürzlich bekannt gab, sollen die Nachforschungen nach der ursprünglichen Herkunft der Kunstgegenstände nun auch auf die Vorkriegszeit ausgedehnt werden. Insbesondere deutsche Juden waren bereits damals gezwungen, ihre Kunstsammlungen zu verkaufen oder bei der Flucht zurückzulassen. Niederländische Museen könnten durch Ankäufe in Kunsthandlungen oder bei Auktionen in den Besitz jener Kunstobjekte geraten sein: „Die Museen handelten in gutem Glauben, da sie nicht wussten, woher die Ankäufe stammten“, betonte der Direktor der Niederländischen Museumsvereinigung, Siebe Weide. Rund 440 niederländische Museen werden sich in den kommenden vier Jahren an den Nachforschungen, die vom Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft unterstützt und finanziert werden, beteiligen. Nach Ablauf der Projektes soll eine Liste mit Kunstobjekten, deren Herkunft zweifelhaft ist, veröffentlicht und möglichen Erben dadurch die Möglichkeit gegeben werden, Ansprüche geltend zu machen. Mit einem „Leerlaufen der niederländischen Museen“ sei jedoch nicht zu rechnen, so Rudi Ekkart. Nach Ansicht des Vorsitzenden des ‚Bureau Herkomst Gezocht’ (‚Herkunft gesucht’) wird es sich vermutlich nur um Einzelfälle handeln.