Nachrichten Februar 2009


KLIMAZIELE 2020: Erreichung gefährdet

Den Haag. TM/VK/TR. 11. Februar 2009

Das ehrgeizige Ziel der niederländischen Regierung, den Ausstoß klimaschädlicher Immissionen bis zum Jahr 2020 auf 150 Megatonnen zu begrenzen, scheint aktuell nicht erreicht zu werden. In einem Zwischenbericht der Umweltorganisation Natuur en Milieu wird unterstellt, dass – sofern es beim Ausstoß des klimaschädlichen CO2 in Zukunft keine großartigen Verbesserungen gibt – im Jahr 2020 gerade einmal die Hälfte der selbst auferlegten Klimaziele erreicht werden. Die Umweltorganisation verlangte vor allem auf den Gebieten Verkehr, Landwirtschaft sowie Gebäude-Energieeinsparung viel größere Anstrengungen von der aktuellen Regierung, um die selbst gesetzten Ziele doch noch zu erreichen.

Während Natuur en Milieu ihren Bericht in Den Haag vorlegte, bekam mit Kronprinz Willem-Alexander ein wichtiger Repräsentant des Landes die konkreten Folgen der globalen Klimaerwärmung direkt zu sehen: Auf dem Hinflug zu einer viertägigen Antarktis-Reise machte der Kronprinz samt Ehefrau Maxima einen Zwischenstopp beim chilenischen Tyndall-Gletscher an der Südspitze des amerikanischen Kontinents und ließ sich die Folgen der globalen Klimaerwärmung zeigen. In seinem Internet-Blog zur Antarktis-Reise beschrieb er sodann auch seine Eindrücke vor Ort: „So wie 80 Prozent aller Gletscher zieht sich auch der Tyndall-Gletscher in hohem Tempo zurück und auf dem Felsbett, auf dem bis vor kurzem noch der Gletscher ruhte, hat man einzigartige Skelette von Dinosauriern gefunden.“

Die Folgen des Klimawandels, die am anderen Ende der Welt so deutlich sichtbar sind, zeigen sich in den Niederlanden bisher nur anhand nackter Zahlen: So war es das ursprüngliches Ziel der Klimainitiative „Schoon en Zuinig“ (Sauber und Sparsam) von Umweltministerin Jacqueline Cramer, den Ausstoß von Treibhausgasen im Jahr 2020 um 30 Prozent verringert zu haben. 20 Prozent des produzierten Stroms sollten aus Wind- und Sonnenenergie erzeugt und zudem jährlich 2 Prozent an Energie eingespart werden. Doch Natuur en Milieu sieht die Zwischenbilanz der Klimaziele kritisch: Von den geforderten 20 Prozent Energie aus nachhaltiger Erzeugung wird man – wenn es bei den aktuellen Maßnahmen bleibt – nach Meinung der Umweltschützer nur 7 Prozent umsetzen können. Und was das Ziel der Energieeinsparung betrifft, hat es sich in den Niederlanden schon seit Jahren auf eine jährliche Einsparung von nur einem Prozent eingependelt. Trotz des kritischen Zwischenberichts sieht Ministerin Cramer aber keinen Grund zur Beunruhigung und weist darauf hin, dass die Reduktion des CO2-Ausstoßes zu 80 bis 90 Prozent durch die aktuellen Maßnahmen gedeckt ist. Um die gesetzten Ziele auch zu 100 Prozent zu erreichen, wird man weitere Einzelmaßnahmen treffen müssen, so die Ministerin, welche sich durchaus auch an den konkreten Vorschlägen der Umweltschützer orientieren können.
Erste Erfolge, um weniger klimaschädliches CO2 in die Umwelt abzugeben, können indes im Hafen von Rotterdam gefeiert werden. Hatte sich die Umweltorganisation Milieudefensie aufgrund schlechter Umweltstandards jahrelang gegen das dortige Erweiterungsprojekt „Maasvlakte 2“ gestellt und mit juristischen Schritten gedroht, konnte man in dieser Woche einen Kompromisserfolg mit den Vertretern des Rotterdamer Hafens erzielen. Streitpunkt war bis zuletzt vor allem die Art des Weitertransports der ankommenden Waren. In Zukunft soll die ankommende Fracht nun vermehrt durch Binnenschiffe (45 Prozent) und Güterzüge (20 Prozent), weniger jedoch durch LKW (35 Prozent) weitertransportiert werden. Vereinbartes Ziel zwischen dem Hafen und Milieudefensie ist eine Verbesserung der Luftqualität durch eine Reduktion der schädlichen Abgase um 10 Prozent.