Nachrichten Dezember 2009


TIERSEUCHE: Q-Fieber breitet sich in den Niederlanden sehr schnell aus

Den Haag. TM/FAZ/NRC/VK. 14. Dezember 2009. 

Neben der Schweinegrippe sorgt in den Niederlanden zurzeit noch eine weitere Infektionskrankheit für Aufsehen: das Q-Fieber. Während dieses Thema von den deutschen Medien und der Öffentlichkeit bislang kaum beachtet wurde, scheint es beim westlichen Nachbarn hartnäckiger zu wirken und zu deutlich höheren Infektionszahlen beim Menschen zu führen. Die Infektionskrankheit wird durch das Bakterium Coxiella burnetii ausgelöst und kann von betroffenen Tieren – dort vor allem trächtigen Rindern, Schafen und Ziegen – auf den Menschen übertragen werden. Die Tiere selbst werden dabei eher selten Krank – jedoch kam es unter betroffenen Arten vermehrt zu Früh- oder Totgeburten. Das Q-Fieber-Bakterium hat in Verbindung mit Sand oder Staub eine lange Überlebensdauer von mehreren Monaten oder sogar Jahren, kann durch die Atemluft selbst Distanzen von bis zu zwei Kilometern überwinden und so zu den Menschen gelangen.

In den Niederlanden standen und stehen die politisch Verantwortlichen aktuell stark im öffentlichen Visier, nachdem sich die Zahl der Neuinfizierten in diesem Jahr deutlich erhöht hat. Kam es vor dem Jahr 2007 lediglich zu durchschnittlich 15 Infektionen pro Jahr, ging die Zahl 2007 (190) und 2008 (900) hoch und erreichte 2009 bis jetzt rund 2.300 betroffene Fälle. Sechs Menschen fielen dem Q-Fieber in diesem Jahr bereits zum Opfer – alle waren zuvor bereits durch andere Erkrankungen körperlich geschwächt. Im Allgemeinen verläuft die Krankheit beim Menschen jedoch unspektakulär und nach ein bis zwei Wochen setzt zumeist spontan die Genesung ein. Der Vergleich mit Deutschland macht die Brisanz in den Niederlanden deutlich: In Deutschland mit seinen fünf mal mehr Einwohnern werden jährlich lediglich um die 400 Neuinfektionen registriert.

Über die Gründe für die plötzliche Erhöhung der Infektionen in den Niederlanden herrscht allenthalben Ratlosigkeit: „Wir wissen es einfach nicht“ sagt Roel Coutinho, Direktor des nationalen Instituts für Volksgesundheit und Umwelt RIVM wiederholt. Unterdessen wurde die Kritik über das Handeln der zuständigen Minister Ab Klink (CDA, Volksgesundheit) und Gerda Verburg (CDA, Landwirtschaft) immer größer: Erst Mitte vergangener Woche hatten sich beide auf ein erstes Maßnahmenpaket verständigen können. Danach greifen die zuständigen Stellen die zu Beginn des Monats von einer Expertenkommission publizierte Empfehlung auf, die trächtigen Schafe und Ziegen schnellst möglichst aus den Betrieben zu entfernen. Was anschließend mit den Tieren passiert – schlachten oder keulen – ist noch nicht beschlossen. Die Frage, warum dieser Entschluss so spät und nicht bereits vor Monaten gefallen ist, muss die niederländische Regierung jetzt beantworten. Etliche Entscheidungsträger aus der am stärksten betroffenen Provinz Brabant im Süden des Landes sind der Meinung, dass der Beschluss der Maßnahmen „bereits ein Jahr früher hätte geschehen müssen“.

In der vergangenen Woche wurde von niederländischen Landwirtschaftsministerium eine Karte mit den Infektionsherden veröffentlicht, die online eingesehen werden kann. Dabei reicht die 5-Kilometer-Zone um einen infizierten Betrieb auch bis nach Deutschland hinein.