Nachrichten August 2009


PRESSEFREIHEIT: Kronprinz Willem-Alexander drängt auf Privatsphäre

Amsterdam. TM/VK/NRC. 19. August 2009.

Die Privatsphäre seiner Familie ist dem niederländischen Kronprinz Willem-Alexander heilig – so jedenfalls lässt sich die jüngste „Ski-Foto-Affaire“ deuten, die während des „Sommerlochs“ in den vergangenen Wochen die niederländische Nation beschäftigt. Der Kronprinz wehrt sich aktuell gegen vier Fotos aus dem Skiurlaub seiner Familie in Argentinien, welche entgegen offiziellen Absprachen durch einen Fotografen der US-amerikanische Nachrichtenagentur AP aufgenommen, von AP veröffentlicht und durch mehrere niederländische Medien publiziert wurden. Der Kronprinz fordert nun bei jeder weiteren Übertretung eine hohe Geldstrafe von maximal einer Viertelmillion Euro.

Veröffentlicht wurden die Ski-Fotos durch unterschiedliche Medienorgane wie den Tageszeitungen Algemeen Dagblad und Trouw sowie dem Onlineportal nu.nl, die mittlerweile nach der Kritik Willem-Alexanders erklärten, dies zukünftig unterlassen wollen. Erst jüngst wurden die Fotos jedoch am vergangenen Freitag in den Spätnachrichtensendungen von NOS und RTL gezeigt: „Wir zeigen die Fotos, da sie in diesem Zusammenhang einen Nachrichtenwert haben“, so NOS-Anchorman Jeroen Overbeek im spätabendlichen Journaal. Der Nachrichtenwert ergibt sich dadurch, dass die Fotos inzwischen zum öffentlichen Gesprächsthema geworden sind und der Landesanwalt Boukema nach der offiziellen Klageeinreichung gegen AP nun am vergangenen Freitag zur offiziellen Anhörung vor Gericht erscheinen musste. Dort legte er im Namen des Kronprinzen eine Erklärung ab, in welcher der Prinz von einem „inakzeptablen Druck durch die Medien“ sprach, gegen den er seine Familie und vor allem seine Kinder beschützen wolle.

Willem-Alexander hätte in seiner Jugendzeit selbst diesen Druck gespürt und sich beispielsweise auf den Fahrten mit der Yacht von Prinz Bernhard vor den Teleobjektiven der Paparazzi in der Kajüte verstecken müssen. Einen solchen Zustand möchte Willem-Alexander für seine eigene Familie nicht auch erleben, weshalb er im Jahr 2005 mit Medienvertretern auch einen Medienkodex vereinbart hatte. Danach durfte die königliche Familie in Zukunft nur noch während der Ausübung ihrer Ämter fotografiert werden. Als Gegenleistung veranstaltet das Königshaus regelmäßig offizielle Fototermine, wie zuletzt im Juli am Strand von Wassenaar, bei dem sich der Kronprinz gemeinsam mit seiner Frau Prinzessin Maxima und den drei kleinen Prinzessinnen Catharina-Amalia, Alexia und Ariane den Kameras präsentiert. Da die aktuellen Ski-Fotos diesem Kodex widersprachen, setzte sich der Thronfolger jetzt juristisch zur Wehr.

Während der Anhörung Ende letzter Woche vertraten die AP-Vertreter die Ansicht, dass die Mitglieder des Königshauses als Personen des öffentlichen Interesses überall und jederzeit fotografiert werden dürfen. Dem zuständigen Richter erschien ein solcher Zustand für die Königsfamilie jedoch ein „schweres Leben“ zu bedeuten. Auf das Argument der AP-Vertreter, dass Urlaube der Königsfamilie schon immer von der Presse begleitet wurden, welches sie mit einem Filmfragment aus einem Urlaub in den 1970er Jahren im Wintersportort Lech belegten, reagierte der Richter mit der Feststellung, dass sich die Zeiten geändert haben und die Medien heutzutage viel eindringender geworden sind. Er zweifelte zudem an dem gesellschaftlichen Mehrwert der strittigen Urlaubsfotos. Eine Entscheidung im Fall Königshaus versus AP soll am 28. August offiziell verkündet werden. Dann wird auch sicher sein, ob der Kronprinz mit seiner Forderung nach einer Strafe von 25.000 bis maximal 250.000 € pro weiterer Übertretung des Medienkodexes vom Gericht Recht bekommt.