Nachrichten August 2009


PVV: Personalmangel bei der Ein-Mann-Show

Den Haag/Almere. TM/VK/TR. 17. August 2009.

Eine Überraschung war es sowohl für Anhänger wie Gegner des rechtspopulistischen Politikers Geert Wilders: Bei den nächsten landesweiten  Kommunalwahlwahlen in den Niederlanden im März 2010 tritt seine Freiheitspartei PVV lediglich in zwei größeren Gemeinden – Den Haag und Almere – an. Trotz des fulminanten Abschneidens der seit 2006 bestehenden Rechtspopulisten bei der jüngsten Europawahl, wo sie in 92 Gemeinden zur größten Partei gewählt wurden, ist an eine Wiederholung auf kommunaler Ebene vorerst nicht zu denken.

Als Grund für das Antreten in nur zwei Gemeinden nennt Wilders die Schwierigkeit, geeignete Kandidaten für die Gemeinderäte zu finden. Somit tritt die PVV selbst in ausgewiesenen Partei-Hochburgen wie Den Helder oder Venlo nicht an. Zwar wurde vom Parteichef selbst in mehreren Gemeinden eine Art Rekrutierungsabend abgehalten, lediglich für zwei Städte konnten aber Kandidaten gefunden werden, die fähig sind, die Partei öffentlich zu repräsentieren. Augenzeugen berichten dabei von mehrheitlich nicht-kommunalen Interessenten, die sich zur Wahl aufstellen lassen wollten: „Wir haben zu wenig Menschen gefunden, für die ich meine Hand ins Feuer legen würde. Schickt man dann dennoch Leute ins Rennen, läuft man das Risiko, dass man sich ins eigene Fleisch schneidet“, so Wilders gegenüber der Nachrichtenagentur ANP.

Wer genau die Ratskandidaten in Den Haag und Almere sein werden, wollte Wilders zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verraten. Bekannt wurde jedoch, dass für Den Haag der ehemalige LPF-Abgeordnete Joost Eerdmans als Spitzenkandidat antreten wird. Für Almere hat sich Gerüchten zufolge eine Gruppe Anwälte für die Spitzenposten in der Gemeinde gemeldet. Das die Wahl der Gemeinden ausgerechnet auf Den Haag und Almere viel, ist nach Meinung vieler kein Zufall. Beide Städte fallen zunächst durch ihre hohe Multikulturalität auf (Almere verzeichnet dabei einen Migrantenanteil von 20  Prozent und ist die am schnellsten wachsende Stadt der Niederlande). Zum anderen scheint Geert Wilders aber auch noch alte Rechnungen begleichen zu wollen, denn zufällig sind die Gemeindechefs in beiden Kommunen alte Weggefährte von Wilders aus seiner Zeit in der liberalen VVD. Denn der Bruch Wilders’ mit seinen ehemaligen Parteikollegen kam in jener Zeit zustande, als Almeres Bürgermeisterin Annemarie Jorritsma Vizepremier im zweiten Kabinett von Wim Kok (1998-2002) und der Haager Bürgermeister Jozias van Aartsen den VVD-Fraktionssitz innehatten.

Enttäuschung stellt sich mittlerweile bei den vielen Anhängern von Geert Wilders ein, die auf ein Antreten in Ihren Gemeinden gehofft hatten. Vor allem in Wilders’ Heimatstadt Venlo, wo die PVV bei den Europawahlen im Juli 31 Prozent erhalten hatte, fühlen sich die Symphatisanten des Rechtspopulisten im Stich gelassen. Wilders hingegen möchte mit aller Macht jede Art von „LPF-artigen“ Zuständen verhindern – jene Partei ging nach dem Tod Pim Fortuyns an einem internen Streit unter. Das Risiko, dass sich mögliche Affären auf lokalem Niveau sich auf die Arbeit der Partei in der Zweiten Kammer auswirken könnten, sind Wilders dabei zu hoch. Der Parteichef ohne eigene nennenswerte Parteibasis hat dafür zu viel Angst, um das eigene Ruder aus der Hand zu geben und führt seine Ein-Mann-Show lieber wie gewohnt weiter. Dazu möchte sich Geert Wilders zukünftig auf die Wahlen zu den Regionalparlamenten und zur Zweiten Kammer im Jahr 2011 konzentrieren.