Nachrichten August 2009


GAY PRIDE: Christen und Politiker nahmen an Homo-Parade teil

Amsterdam. TM/TR/VK. 03. August 2009.

Bereits zum 14. Mal nach 1996 trafen sich am vergangenen Wochenende Schwule und Lesben in Amsterdam, um die traditionell am ersten Augustwochenende stattfindende Gay Pride zu begehen. Bei dem großen schwul-lesbischen Straßenfest feierten Homosexuelle und Heterosexuelle von Freitagabend bis Sonntagnachmittag gemeinsam im Zentrum der Grachtenstadt. Höhepunkt war dabei wie in jedem Jahr die Canal Parade – ein Boots-Umzug durch die Grachten der Hauptstadt. Beginnend am Westerdock fuhren in diesem Jahr 80 Boote auf einer Route über die Prinsengracht und die Amstel bis hin zum Oosterdock. Auf den Brücken und Straßen an den Grachten verfolgte eine Rekordanzahl von rund 550.000 Zuschauern dabei das bunte Spektakel.

Eröffnet wurde der Bootscorso durch ein Boot der Gemeinde Amsterdam, auf dem auch Amsterdams Bürgermeister Job Cohen mitfuhr, der während der Fahrt die Ehe von fünf niederländisch-amerikanischen Homopaaren schloss: „Großartig, dass dies im toleranten Amsterdam möglich ist“, so einer der Glücklichen, der sich auch in seiner Heimatstadt New York für die Einführung der Homo-Ehe einsetzt.

Neben dem Amsterdams Bürgermeister nahmen auf verschiedenen Booten auch viele andere Politiker an der Parade teil – unter ihnen auch der niederländische Minister für Bildung, Kultur und Wissenschaft, Ronald Plasterk (PvdA), zu dessen Aufgabenbereich unter anderem auch die Emanzipation von Schwulen und Lesben gehört. Plasterk nahm ebenso wie die PvdA-Staatssekretärin Sharon Dijksma und der CDA-Abgeordnete Ger Koopmans in einem Boot mit dem offiziellen Logo des niederländischen Staates teil. Die liberale Partei VVD beteiligte sich sogar mit einem eigenen Boot an dem ausgelassenen Grachtenumzug. Insgesamt beteiligten sich in diesem Jahr mehr Politiker als jemals zuvor an der Parade. Trotz der Präsenz von Minister Plasterk ist eine liberale Schwulen- und Lesbenpolitik innerhalb der niederländischen Regierung allerdings nicht unumstritten: Für den christlich-konservativen Koalitionspartner ChristenUnie ist dies ein Reizthema, weshalb sich auch kein Politiker dieser Partei an der Canal Parade beteiligte.

Die religiösen Vorbehalte gegen eine Gleichstellung von Homosexuellen waren am Ende der Parade dann auch Auslöser für eine kritische Aktion der Interessenvereinigung COC, deren Mitglieder das Boot des Staates symbolisch enterten und eine Petition überreichten: Homosexuellen Schülern und Lehrern dürfe unter keinen Umständen der Zutritt zu streng-religiösen Schulen geweigert werden – ein durch den konservativen Standpunkt der ChristenUnie sehr sensibles Thema innerhalb der Regierung. Weltoffener präsentierten sich da eine Reihe anderer christlicher Organisationen, die zusammen auf dem „Heiligen Boot“ an der Parade teilnahmen. Gemeinsam setzten Reformierte, Protestanten, Baptisten und Katholiken – gemeinsam mit zwei CDA-Abgeordneten – ein Zeichen der Toleranz: „Vor Gott brauchen wir uns nicht zu verstecken“, verdeutlicht Jan Willem Herweijer dann auch das Motto seines Heiligen Bootes – „Bei Gott kannst du sein wie du bist“.