Nachrichten APRIL 2009


KOLONIALISMUS: Amsterdamer feiern Entdeckung Manhattans

Amsterdam. CK/Het Parool/VK. 08. April 2009

Als Henry Hudson am 4. April 1609 in Amsterdam die Segel des Schiffes „Halve Maen“ (Halbmond) setzte, war sein Endziel nicht bekannt: Im Auftrag der Niederländischen Ost-Indien Kompanie sollte der Brite eine neue Durchfahrt nach Asien ausfindig machen. Als er und seine 16 Mann Besatzung – jeweils zur Hälfte Holländer und Engländer – fünf Monate später Land sichteten, trafen sie jedoch nicht auf Asien, sondern auf bislang unbekannte Regionen Nordamerikas. Darunter befand sich eine größere Insel, die von den einheimischen Lenape-Indianern „Mannahata“ genannt wurde. Die Geschichte der heutigen Weltmetropole New York nahm ihren Lauf. 15 Jahre nach der Entdeckungsreise Hudsons errichteten die Niederländer einen Handelsposten auf der Insel, den sie „Nieuw Amsterdam“ nannten. 1626 kaufte Gouverneur Peter Minuit die Insel Manhattan von den Einheimischen – im Tausch für Warengüter im Wert von 60 Gulden. Während des Zweiten Englisch-Niederländischen Seekriegs im Jahr 1664 endete die niederländische Herrschaft über die Stadt, die von den Engländern in New York umbenannt wurde.

Der 400ste Jahrestag der Entdeckung Manhattans wird das ganze Jahr über sowohl in Amsterdam als auch in New York gefeiert. Die engen historischen Beziehungen zwischen beiden Städten bildeten am Wochenende den Anlass für diverse Veranstaltungen in Amsterdam. So führte eine Fahrrad-Audiotour des Amsterdams Historisch Museum zu historischen Stellen, die in Zusammenhang mit der Entdeckungsreise stehen. Im Rijksmuseum ist seit letzter Woche die Ausstellung „Wiedersehen mit Manhattan – 400 Jahre Henry Hudson“ zu sehen. Bis zum 1. Juni 2009 werden dort Originaldokumenten aus dem 17. Jahrhundert zur Geschichte des Handelspostens und der Kolonie Nieuw Holland ausgestellt, anschließend kommt die Ausstellung nach New York.

Auch dort hat man seine niederländischen Wurzeln wiederentdeckt. Physisch ist von diesem Erbe nicht mehr viel sichtbar: Viele Gebäude aus dem 17. Jahrhundert sind durch Großbrände zerstört worden, aber noch heute erinnern Straßennamen und Straßensysteme an die Ursprünge der Stadt. Das bekannteste Beispiel ist dabei sicherlich die Wall Street, deren Name auf die ehemalige Verteidigungsmauer New Amsterdams zurückzuführen ist, die früher eben an jener Stelle verlief. Der New Yorker Stadthistoriker Joe Svehlak, der Spaziergänge zu historischen niederländischen Orten in der Stadt anbietet, verweist insbesondere auf die Bedeutung der Werte, die die Niederländer in die neue Kolonie mitgebracht haben: „Ohne die Toleranz, den Multikulturalismus und den Handelsgeist der Niederlande wäre New York niemals die Stadt geworden, die sie heute ist. Die Niederländer besaßen diese Werte bereits um 1600 und haben sie hierhin exportiert.“

Ein weniger positives Bild werfen jedoch die Nachfahren der indianischen Ureinwohner auf die niederländische Vergangenheit der Region. Sie fordern eine Anerkennung der Grausamkeiten, die von Niederländern an den Einheimischen begannen wurden. „Henry Hudson wird von den amerikanischen Indianern nicht als Entdecker angesehen. Er war ein Eroberer,“ sagte die Choctaw-Cheyenne Franci Taylor.

Zur Website der Ausstellung im Rijksmuseum gelangen Sie hier