Nachrichten September 2008



Übereinkunft von Apeldoorn: Erhalt der niederländischen Kulturlandschaft

Apeldoorn. 30. September 2008. FN/MinBuZa.nl/VK/AGD.nl.

In den Niederlanden soll der unkontrollierten Zersiedlung Einhalt geboten werden. Durch die Zusammenarbeit eines breiten Aktionsbündnisses zwischen Land, Provinzen, Gemeinden und Interessenverbänden kam das „Landschaftsabkommen 2008“ zustande. In Apeldoorn unterzeichneten 46 Organisationen am vergangenen Wochenende den Akkoord van Apeldoorn. Beteiligt waren Vereine, Verbände und Behörden aus den Bereichen Umwelt- und Naturschutz, Landwirtschaft, Verkehr und Naherholung. Im Namen der niederländischen Regierung unterzeichneten die Ministerin für Landwirtschaft, Natur und Nahrungsmittelqualität, Gerda Verburg (CDA) und die Ministerin für Wohnbau, Räumliche Ordnung und Umweltschutz, Jacqueline Cramer (PvdA) die Übereinkunft.

Von dem Abkommen soll ein positiver Impuls für die niederländische Landschaft ausgehen. Ziel ist der Erhalt der historischen Kulturlandschaft in den Niederlanden.. Dabei geht es nicht vornehmlich um völlig unbelassene Natur, die im dicht besiedelten Westen Europas fast nicht mehr vorzufinden ist. Mit dem Begriff Kulturlandschaft bezeichnet man Gebiete, die durch den Menschen geprägt worden sind. Seit rund 7.000 Jahren wird in den Niederlanden Landwirtschaft betrieben. Mit der kleinteiligen Parzellierung des Landes entstand einen feinmaschiges Netz aus Gräben, Wällen, Hecken, Baumreihen, Deichen, Äckern, Wiesen und kleinen Wäldchen. Die so genannte offene Parklandschaft ist über Jahrhunderte hinweg im Zusammenwirken von Mensch und Natur entstanden. Sie bietet einer großen Vielfalt von Tieren und Pflanzen einen Lebensraum. Diese Landschaft ist in den Niederlanden bedroht.

Die Zersiedelung nimmt – vor allem im hoch industrialisierten Westen des Landes – immer stärker zu. Städte und Dörfer breiten sich unkontrolliert aus. Am Rande der großen Metropolen wachsen die so genannten „Speckgürtel“ durch neue großflächige Industriegebiete rasant an. Durch die damit verbundenen infrastrukturelle Erschließung werden weitere freie Flächen bebaut. Dieses Phänomen bezeichnet man in den Niederlanden als „verrommeling“der Landschaft. Der treffende Begriff, der in etwa mit „verramschen“ und „vernutzen“ übersetzt werden kann, beschreibt die negativen Auswirkungen der wahllosen Bebauung der Landschaft. Das Land erhalte dadurch einen „zerschnittenen“ und „verstädterten“ Charakter, der ehemals für die Niederlande charakteristische weite Horizont verschwinde, so die Erklärung des Umweltministeriums.

„Wir sind in den letzten Jahren zu verschwenderisch mit unserem Land umgegangen“, stellte Albertine van Vliet-Kuiper, Vorsitzende des Landschaftsmanifestes klar. Unter dem Slogan „Die Niederlande wieder schön machen“ soll die Schönheit der intakten Kulturlandschaft erhalten werden. Durch die Aufklärungskampagne soll das Bewusstsein der Bürger für das Charakteristische der Landschaft geschaffen werden. Ministerin Verburg fordert: „Die Bürger sollen selbst bestimmen können, wie sie sich einsetzten und Verantwortung für ihre Landschaft übernehmen.“