Nachrichten September 2008



FINANZEN: ABN-Amro wird verkauft

Amsterdam. JOK/ANP/NZZ. 29. September 2008.Apeldoorn.

Der schwer angeschlagene Bankenkonzern Fortis, der 2007 zusammen mit der englischen Royal Bank of Scotland und der spanischen Banco Santander mit insgesamt über 70 Milliarden Euro in die niederländische ABN-Amro einstieg, verkauft im Zusammenhang mit der innerbetrieblichen Finanzkrise seine Anteile. Der Kaufpreis war bisher der höchste, der je für die Übernahme einer Bank gezahlt wurde. Fortis allein hatte für 24 Milliarden Euro und nach einem erbitterten Bieterwettstreit mit der britischen Barclays die Teile Private Banking, Asset Management und Business Unit Netherland gekauft, und es war geplant, die Übernahme und Angliederung bis Ende 2009 abzurunden. Der belgische Ministerpräsident Yves Leterme, der am Wochenende bei dem Spitzentreffen über die Zukunft des Bankenriesen Fortis teilnahm, erklärte, dass Fortis gezwungen war, seine Anteile abzustoßen, um den Rettungsplan realisieren zu können. Fortis wird, so sieht der Plan vor, mit jeweils 49 Prozent der Landesanteile an die BeNeLux-Länder aufgeteilt. Die Kapitalspritze sowie die (Teil-)Verstaatlichung durch die Staaten soll den Erhalt der Bank garantieren. Am heutigen Montag berichtete die niederländische Nachrichtenagentur ANP, dass der niederländische Finanzkonzern ING Interesse an den ABN-Amro-Teilen habe. In den kommenden zwei Wochen werden darüber Verhandlungen geführt. Der Bankenversicherer ING hingegen äußerte sich offiziell noch nicht dazu. Weiteren Medienberichten zufolge ist neben der ING auch die niederländische Rabobank und der französische Finanzkonzern BNP Paribas an ABM-Amro interessiert.

Die niederländischen Gewerkschaften machen sich nach den Verhandlungen vor allem um die Arbeitnehmerposition der niederländischen Teile der ABN-Amro Sorgen: „Bei ABN-Amro in den Niederlanden arbeiten 22.000 Menschen, die nun über ihre Zukunft völlig im Dunkeln gelassen werden“, so die Industrie- und Dienstleistungsgewerkschaft De Unie.
Die Stimmen aus den unterschiedlichen Lagern der niederländischen Zweiten Kammer sind zurückhaltend. Der staatliche Eingriff wird generell zwar kritisch, in diesem Fall aber als ein notwendiges Übel gesehen. Vor allem wird die Problematik rund um den Verkauf der ABN-Amro-Anteile und die wenigen Informationen über die Zukunft thematisiert.