Nachrichten September 2008



KLIMAERWÄRMUNG: Jährliche Milliardeninvestitionen nötig

Den Haag. FN/NRC/VK. 03. September 2008.

Die Niederlande müssen schnellstmöglich effektive Maßnahmen zum Schutz vor Hochwasser ergreifen, um angemessen auf die negativen Folgen der Klimaveränderung - steigende Meeresspiegel bei gleichzeitiger Absenkung des Bodenniveaus - zu reagieren. Zu diesem Ergebnis ist die so genannte Neue Deltakommission gekommen, die sich seit rund einem Jahr mit der Bedrohung der Niederlande durch das Wasser beschäftigt. Heute übergab die durch die Staatssekretärin für Verkehr und Wasserwirtschaft, Tineke Huizinga, ins Leben gerufene Kommission ihr Gutachten.

Das Thema Wasser hat in den Niederlanden traditionell einen hohen Stellenwert. Ungefähr die Hälfte der Lage Landen (historische Bezeichnung für die tief oder niedrig liegenden Gebiete im nördlichen Westeuropa) liegt weniger als einen Meter über dem Meer. Rund ein Viertel des niederländischen Staatsgebiets liegt gar unterhalb des Meeresspiegels. Die erste Deltakommission wurde nach der Flutkatastrophe von 1953, bei der weite Teile von Zeeland unter Wasser standen, gebildet. Sie erarbeitete den Plan für die Deltawerke, ein Schutzsystem gegen Hochwasser und Sturmfluten, das heute die Küste von Zeeland schützt. Die Neue Deltakommission übergab ihre mit Spannung erwarteten Ergebnisse heute in Den Hag an Ministerpräsident Jan-Peter Balkenende. Die Überreichung des Berichts an den Regierungschef wurde live im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen. Sie kann als Symbol für die Dringlichkeit des Handlungsbedarfs gewertet werden.

„Die Niederlande sind von der Klimaveränderung betroffen – das steht fest“, machte Cees Veerman, Vorsitzender der Deltakommission unmissverständlich deutlich. „Wenn wir nichts tun, Laufen wir ernsthafte Gefahr, dass große Teile der Niederlande zunehmend stark von Überschwemmungen betroffen seien werden.“ Die Lage sei ernst. Aber, wenn schnell gehandelt werde, könne von der Verlegung von niedrig gelegenen Wohngebieten abgesehen werden. Der Bericht mit dem positiv konnotierten Titel „Zusammenarbeiten mit dem Wasser“ geht von einem Investitionsbedarf von jährlich 1,2 bis 1,6 Milliarden Euro aus. Ein Grund für den umfangreichen Handlungsbedarf bei dem Schutz vor dem Wasser ist, dass der Meeresspiegel schneller steigt, als erwartet. Die Kommission nimmt ein Ansteigen um bis zu 1,30 Meter bis zum Jahr 2100 an. Neben der Hochwasserbedrohung sei damit auch die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser bedroht. Als wichtigste Schutzmaßnahme soll, neben der Erhöhung der Deiche, der Küstenstreifen durch künstliche Sandaufschüttungen deutlich, teilweise um bis zu einem Kilometer, verbreitert werden. Die Strategie für den Umgang mit dem Klimawandel muss in Zukunft auf Sicherheit und Nachhaltigkeit basieren, fordert die Kommission. Handlungsbedarf bestehe ab sofort, da die heutigen Schutzmaßnahmen definitiv nicht ausreichend seien. Die Finanzierung muss unabhängig von tagespolitischen Prioritäten und der Konjunkturentwicklung sichergestellt werden. Dazu soll die Einrichtung eines speziellen Fonds, der durch den Erlös der staatlichen Erdgasförderung gespeist wird, gesetzlich verankert werden. Trotz der ernsten Bedrohung zeigte sich die Deltakommission zuversichtlich, dass durch die angestrebten Maßnahmen auch die kommenden Generationen in den Niederlande sicher mit dem Wasser zusammenleben können.