Nachrichten September 2008



TWEEDE MAASVLAKTE: Startsignal für das gigantische Hafenprojekt in Rotterdam

Rotterdam. FN/NRC. 2. September 2008.

Gestern wurde mit dem Bau der Tweede Maasvlakte (Zweite Maasvlakte) , einer gigantischen künstlichen Hafenerweiterung in Rotterdam begonnen. Der Rotterdamer Bürgermeister Ivo Opstelten gab das Startsignal für das Öffnen der Rohre, durch die insgesamt 290 Millionen Kubikmeter Sand für das Fundament der künstlichen Hafenanlage strömen werden. Die Erweiterung des Rotterdamer Hafens ist eines der größten Infrastrukturprojekte der Niederlande (NiederlandeNet berichtete). Die Planung sowie die juristischen und politischen Auseinandersetzungen über das Projekt haben bisher mehr als fünfzehn Jahre in Anspruch genommen.

Das Industriegebiet Maasvlakte ist Teil des rund 40 Kilometer von der Stadt entfernten Rotterdamer Hafens. In den Sechzigerjahren wurde die Maasvlakte künstlich angelegt, indem zunächst ein Ringdeich gebaut und dessen Innenraum mit Sand aus der Nordsee aufgespült wurde. Heute ist der Rotterdamer Hafen der drittgrößte Hafen der Welt und damit mit Abstand der größte Hafen Europas. Im Gegensatz zu den meisten anderen Nordseehäfen ist er von Schiffen mit bis zu 24 Meter Tiefgang anfahrbar.

2004 wurden die Pläne für eine Erweiterung des Hafens durch ein weiteres Landgewinnungsprojekt genehmigt. Die Tweede Maasvlakte soll noch tiefer in die Nordsee gebaut werden. Der geplante Ausbau umfasst eine Fläche von 2.000 Hektar. Die Vergrößerung der Maasvlakte um 20% auf 6.000 Hektar führt zu einer enormen Erweiterung des Hafens. Die Umschlagkapazität für Container wird sich verdreifachen. Die Kosten belaufen sich auf rund drei Milliarden Euro. Der neue Tiefseehafen soll 2013 seinen Betrieb aufnehmen.

Umweltschützer kündigten weitere Maßnahmen gegen das gigantische Hafenprojekt an. Sie bezeichnen die Tweede Maasvlakte als einen „historischen Irrtum“ im Kampf gegen den weltweiten CO2-Ausstoß. Auch Wirtschaftsvertreter haben sich skeptisch geäußert. Das Vergrößern der Terminals werde nicht, wie versprochenen zu mehr Wachstum und Arbeitsplätzen führen. Der Hafenbetreiber unterstrich erneut die Nachhaltigkeit der Hafenerweiterung. Die Chemiebetriebe werden ihre Restwärme in den Energiekreislauf einspeisen und der erhöhte Schiffstransport werde den Einsatz von klimaschädlichen LKW verringern. „Wir wollen das nachhaltigste Hafengebiet der Welt werden“, gab Projektleiter Ronald Paul als ambitioniertes Ziel aus.