Nachrichten Oktober 2008



KULTUR: „Oh meisje“ - fröhlicher Protest gegen Schönheitswahn

Amsterdam. 28. Oktober 2008. FN/Trouw.

Das fröhliche Lied “Oh meisje” der niederländischen Sängerin Esther Groenenberg wurde unbeabsichtigt zum viel beachteten Protestlied gegen den Schönheitswahn. Über das Schneeballsystem verbreitete sich das Lied, das bisher nur über das Videoportal You Tube anzuhören ist. Die Tageszeitung Trouw berichtet etwas verwundert, dass sich bereits eine halbe Million Niederländer das Lied angehört haben. Unbeabsichtigt habe es sich zu einem „Streitlied gegen die kosmetische Industrie und das Schönheitsideal“ entwickelt, so die Trouw. Mit der direkten Verlinkung von dem Onlineartikel der Trouw zu dem Song bei You Tube wird die Tageszeitung weiter kräftig zur Popularität des ohne Zweifel sehr beschwingten Liedes beitragen.

In ihrem Lied fragt Groenenberg „Oh Mädchen! Auf jeder Seite kann man die Rippen zählen/Nichts als Haut und Knochen/Wenn ich so ein Mädchen sehe, dann frage ich mich/Hast Du im letzten überhaupt was gegessen? (Oh meisje. Op elke pagina kan je de ribben tellen/Net zoals de botten en de vellen/Als ik zo’n meisje zie, dan zou ik willen weten/Heb jij het laatste jaar wel wat gegeten?). Eigentlich wollte die 24-jährige Sängerin aus Zwolle nur ein lustiges Lied schreiben, “das Frauen glücklich macht“. Der Video-Clip wurde nur zum Spaß aufgenommen. „Die Mädchen und Frauen die darin vorkommen zeigten den Clip ihren Freundinnen, Müttern, Schwestern und Tanten, die den Clip wieder anderen zeigten.“ Durch dieses Schneeballprinzip sind bereits viele „heimliche Hits“ jenseits der kommerziellen Vermarktungskanäle im Internet entstanden.

Groeneberg kritisiert das gängige Frauenbild, das zurzeit in den Medien vermittelt wird. „Ich bin gegen alle diese fürchterlichen Fernsehsendungen bei denen sich als hässlich bezeichnete Frauen zum 'Schwan' umwandeln lassen. Aber das dieses Thema die Leute so schrecklich beschäftigt, merke ich erst jetzt, wo mein kleines Liedchen so viel auslöst.“ Die Sängerin, die im letzten Jahr ihr Musikstudium am Konservatorium abgeschlossen hat, ist nun mit fröhlichem niederländischen Pop erfolgreich. Das gesunde Selbstbewusstsein, das sie in „Oh meisje“ besingt, strahlt sie selbst aus: „Ich sehe auch nicht so aus, wie die Mädchen in den Zeitschriften und natürlich denke ich auch einmal am Tag: mein Hintern ist zu dick. Aber im Großen und Ganzen bin ich zufrieden mit mir.“