Nachrichten Oktober 2008



RECHTSPRECHUNG: Heesters zieht vor Gericht

Berlin. CK/NRC/Trouw/ Berliner Zeitung. 22. Oktober 2008.

Johannes Heesters hat am Berliner Landgericht eine Unterlassungsklage gegen die Behauptung, dass er während der NS-Zeit im Konzentrationslager aufgetreten sei, eingereicht. Auslöser ist das Dokumentar-Hörbuch „Mit den Wölfen geheult“, in dem von einem Auftritt des niederländischen Sängers und Schauspielers im Konzentrationslager Dachau im Jahr 1941 die Rede ist. Heesters, dessen Karriere im nationalsozialistischen Deutschland einen großen Aufschwung erlebt hatte, besuchte das Lager damals auf Einladung des Lagerkommandanten. Der Sänger bestreitet jedoch von jeher, in Dachau auch aufgetreten zu sein. Fotos zeigen ihn, wie er neben einem SS-Mann das Lager besichtigt.

Aufnahmen von einem Auftritt gibt es nicht. Es existiert jedoch ein Interview mit einem ehemaligen, inzwischen verstorbenen Dachau-Häftling, in dem dieser aussagt, damals den Vorhang für Heesters Auftritt gezogen zu haben. Eben jenen Zeugen zitiert der Kabaretthistoriker Volker Kühn in seinem Hörbuch. Er hält dessen Aussage für glaubhaft: „Die Forschung belegt, dass es keinen einzigen Fall gibt, wonach Künstler in Lager geführt wurden, ohne dass damit ein Auftritt verbunden war. Sonst hätte man sie nicht geholt, schon gar keinen Ausländer. Die Offiziere wollten Unterhaltung, das war alles.“

Insbesondere in den Niederlanden war und ist Heesters aufgrund dieser ungeklärten Episode umstritten. Als der 104-Jährige  im Februar in seiner Heimatstadt Amersfoort auftrat, warteten rund 100 Demonstranten auf dem Theatervorplatz, ausstaffiert mit Plakaten, auf denen „Mein Großvater war auch in Dachau“ oder „Der singende Nazi“ zu lesen war. Mitglieder des Komitees „Heesters raus!“  bezeichneten ihn gar als „Täter mit Blut an seinen Händen.“ Heesters distanziert sich heute von seinem opportunistischen Verhalten während der NS-Zeit. Während seines Auftritts in Amerfsfoort ließ er verlauten, dass er sich für seinen Besuch in Dachau sein Leben lang abgrundtief geschämt habe.
Seine Klage wird am 25. November in Berlin verhandelt.