Nachrichten Oktober 2008



POLITIK: Ein prima Kerl

Rotterdam. JOK/VK. 21. Oktober 2008.

Während der zweitägigen Fraktionstagung der rechtspopulistischen Partei Leefbaar Rotterdam nahm der Fraktionsvorsitzende Ronald Sørensen gestern Abend einige seiner am Donnerstag, nach der Verkündung der Ergebnisse zur Wahl des neuen Rotterdamer Bürgermeisters, gemachten Äußerungen zurück. „Ich war aufgebracht. Ich hätte einige Dinge besser nicht sagen sollen“, so Sørensen der niederländischen Tageszeitung De Volkskrant gegenüber. Ende letzter Woche entschied die sozialdemokratische Mehrheit im Rotterdamer Stadtrat sich für die Berufung des derzeitigen Staatssekretärs für Arbeit und Soziales, Ahmed Aboutaleb (PvdA), und Sørensen warf dem gebürtigen Marokkaner anschließend unter anderem vor, ein Vertreter einer Gruppe zu sein, die in den ganzen Niederlanden und Rotterdam Probleme verursache. Auch seine doppelte Staatsbürgerschaft zählte Sørensen zu den Kritikpunkten. Inzwischen distanzierten sich einige Parteikollegen von diesen Aussagen. Sørensen gab an, sich als Sprachrohr „all der Durchschnittsrotterdamer“ gefühlt zu haben, die „in ihren Zimmern saßen und hörten, dass ein Marokkaner Bürgermeister wird. Die Leute waren wirklich nicht glücklich darüber.“ Er habe versucht der Enttäuschung gerecht zu werden und habe da wohl „ein paar Äußerungen gemacht, die nicht so klug waren.“ Vor allem sei er aber enttäuscht darüber gewesen, dass sein Parteikollege Wim van Sluis nur Zweiter wurde.

Das ehemalige Gemeinderatsmitglied Van Sluis ließ wissen, dass er auf derlei Solidaritätsbekundungen keinen Wert lege. Sørensen habe nicht nur einseitig die Gefühle der skeptischen Rotterdamer ansprechen sollen. „Aboutaleb ist klug und liebenswürdig. Das hat er ausreichend gezeigt. Er scheint ein prima Kerl zu sein.“

Auch Parteikollege Marco Pastor, nach muslimfeindlichen Aussagen geschasstes Gemeinderatsmitglied und anschließend Gründer der rechten Partei Èen NL, äußerte sich zu Sørensen Verhalten. Sørensen brauche, was ihn betreffe, nichts zurück zu nehmen.