Nachrichten Oktober 2008



FINANZEN: Niederländischer Staat unterstützt ING mit 10 Milliarden Euro

Den Haag. JOK/minfin/VK/NRC/TR. 21.Oktober 2008.

Das niederländische Finanzministerium und die Niederländische Bank (DNB) haben Ende vergangener Woche verkündet, den angeschlagenen Finanzriesen ING mit einer Staatshilfe von 10 Milliarden Euro vor einem weiteren Kursverlust an den weltweiten Börsen zu schützen. Die ING, im Geschäftsjahr 2007 qua Umsatz auf Platz 9 der Forbes-Liste der weltweit größten Unternehmen, ist somit das erste niederländische Finanzunternehmen, das Mittel aus dem Notfallfond der Regierung zur Unterstützung von „im Grunde wirtschaftlich gesunden Banken, die mit unvorhergesehenen externen Schocks zu kämpfen haben“ in Anspruch nimmt. Die niederländische Regierung hatte am 9. Oktober als Reaktion auf die internationale Banken- und Finanzkrise eine Direkthilfe von 20 Milliarden Euro für eventuelle Kapitalerhöhungen innerhalb des finanziellen Sektors zur Verfügung gestellt. Die Verhandlungen zwischen dem Staat, der niederländischen Bank und der ING sehen ein umfassendes Maßnahmenpaket vor.

Mit der 10 Milliarden Euro - Kapitalspritze, die immerhin die Hälfte des staatlichen Notfallbudgets umfasse, habe die ING, ein gesundes und gut geführtes Unternehmen, bessere Ausgangschancen auf den internationalen Märkten und einen ausreichenden Puffer gegenüber weiteren Krisen, so das Finanzministerium in seiner öffentlichen Bekanntmachung. „Ausgangspunkt ist, wie bei der Übernahme der Forits, die Absicherung der Sparer und Unternehmer“, so Bos auf der Pressekonferenz im Amsterdamer Sitz der DNB.
Der Banken- und Versicherungspionier, Vorreiter im Online- und Telefonbanking, erlitt im dritten Quartal enorme Verluste, die am Freitag an den ins bodenlose stürzenden Börsenkursen sichtbar wurden. Nach Konzernangaben habe die ING, das erste Mal in der Unternehmensgeschichte, wegen der Finanzkrise einen Nettoverlust von rund 500 Millionen Euro; die Aktienkurse purzelten um fast 28 Prozent auf den tiefsten Stand seit Mitte der 1990er Jahre. Die staatliche Hilfeleistung zeigte bereits am Montag bei der Eröffnung der Börse ihre positive Wirkung. ING-Aktien eröffneten mit einem Kurssprung von 20 Prozent auf 8,80 Euro pro Aktie.

Die niederländische Regierung hatte zuvor bereits die Geschäfte des Bankkonzerns Fortis und der dazugehörigen größten niederländischen Bank ABN AMRO komplett übernommen und so die Banken, Anleger und Sparer vor einer Komplettinsolvenz bewahrt (NiederlandeNet berichtete).