Nachrichten Oktober 2008



DISKUSSION: Auf der Suche nach „dem“ Niederländer

Rotterdam. CK/VK. 8. Oktober 2008.

Mit ihrer Bemerkung, dass es „den“ Niederländer nicht gäbe, löste Prinzessin Máxima im vergangenen Herbst eine Diskussion über die niederländische Identität aus. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung widersprach damals ihrer Aussage, dass es diese, originär niederländische Identität nicht gäbe. Gestern hielt Paul Schnabel, Direktor des Sociaal en Cultureel Planbureaus, in Rotterdam einen Vortrag über „Die Niederländische Identität und die Identität des Niederländers“, der für neuen Zündstoff in der Diskussion sorgen wird. Schnabel unterstützt in seinem Vortrag die Aussage Máximas. Seiner Ansicht nach beruht das Konzept der niederländischen Identität in erster Linie auf einer „emotionalen Belebung und auf einer Mythologisierung der Vergangenheit.“ Die gemeinsame Geschichte stelle, so Schnabel, „weniger dar, als wir denken. Man hört oft, dass wir früher so ein einhelliges Völkchen waren: In Wirklichkeit hatten Katholiken und Protestanten in den Niederlanden völlig getrennte Welten geschaffen.“

Schnabel räumte in seinem Vortrag mit einigen Mythologisierungen auf. So würde beispielsweise der calvinistische Volkscharakter zu sehr aufgebauscht werden; die Calvinisten hätten nur eine – wenn auch dominierende – Minderheit dargestellt. Auch den Blick auf das „Goldene Zeitalter“ empfindet er als zu emotional aufgeladen. Abschließend kommt er zu einem klaren Fazit: „Máxima hat Recht, aber bekommt es nicht. Und das ist dann auch wieder typisch Niederländisch.“