Nachrichten Oktober 2008



FORTIS: Belgien, Bos und BNP

Den Haag. JOK/mdh/NRC/TR/VK. 06. Oktober 2008.

Die mächtigste französische Bank, die BNP Paribas, kauft Belgien und Luxemburg große Fortis-Anteile ab. Belgien wird von den ursprünglichen 49 Prozent nur noch 25 Prozent der belgischen Fortis-Anteile behalten und Luxemburg nur noch 33 Prozent der Forits Banque Luxembourg. Das Abkommen erzielten die Vertreter der drei Parteien nach fieberhaften Verhandlungen am späten Sonntagabend. Der belgische Ministerpräsident Yves Leterme drängte auf diese Einigung, obwohl der niederländisch Staat am Freitag offiziell den Ankauf des niederländischen Fortis-Zweiges und somit eine fortschreitende Konsolidierung der Krise, vollzog. Die belgische Regierung fürchtete einen weiteren Werteverlust der belgischen Fortisaktien durch den Vertrauensentzug verunsicherter Sparer. Grund dafür seien nicht zuletzt die Äußerungen des niederländischen Finanzministers Wouter Bos gewesen, der Freitag behauptete, dass die Probleme von Fortis vor allem bei der belgischen Seite lägen. Bos sprach tatsächlich über „gesunde Anteile“ und die „Infektionsgefahr, die von belgischen Anteilen“ ausgehe. Leterme äußerte sich gestern verärgert über den Finanzminister, der „nicht das erste Mal unglückliche Bemerkungen“ in diese Richtung geäußert habe und beschwerte sich beim Chef, dem niederländischen Ministerpräsidenten. Jan Peter Balkenende ließ wissen, dass er die Äußerung Bos’ bedauere, zur Bemerkung selber gab er jedoch keinen Kommentar ab, so eine niederländische Tageszeitung. Für die ‚Problemkredite’ der Fortis Belgien, auf die Bos anspielte, wurde ein neues Portefeuille aushandelt, das wiederum vom belgischen Staat und der BNP Paribas verwaltete wird. Balkenende und Bos ließen Montagmorgen in einer ersten Reaktion auf die neue Verbindung zwischen der Fortis Gruppe und BNP Paribas wissen, dass nun „ein wichtiger Schritt zur weiteren Stabilisierung des Finanzsystems“ getan worden sei.

In niederländischen Meinungsumfragen punktete Finanzminister Wouter Bos seit letzter Woche deutlich: Den gestiegenen Umfragewerten der TNS-Nipo zufolge liegt Bos’ Beliebtheit inzwischen vor der des Ministerpräsidenten. Und auch seine Partei, die sozialdemokratische Partei der Arbeit (PvdA) konnte, laut der wöchentlichen Umfrage des Meinungsforschers Maurice de Hond, vom bisherigen Tiefpunkt mit 16 Sitzen diese Woche auf 19 Sitze aufholen.