Nachrichten November 2008


KONSUM: Amsterdam schließt rund vierzig Coffeeshops

Amsterdam. JOK/A/NRC/TR/VK. 21. November 2008.

Die Gemeinde Amsterdam schließt 43 Coffeeshops aufgrund der Einführung einer neuen Abstandsregelung, die besagt, dass Coffeeshops nicht näher als 250 Meter in Gehweite von Schulen liegen dürfen. Darüber wurden die Amsterdamer Ladenbesitzer heute per Brief informiert. Unter den Coffeeshops, die geschlossen werden, befindet sich auch das international bekannte, direkt im Stadtcenter am Leidseplein gelegene und 1985 in einer ehemaligen Polizeistation eröffnete The Bulldog.

In dem am heutigen Freitag publizierten Bericht „Die Amsterdamer Coffeeshoppolitik 2008“, der Amsterdamer Gemeindeverwaltung, der alle zehn Jahre eine Evaluation und Übersicht über die städtische Drogenpolitik liefert, heißt es weiter, dass die bis spätestens zum 31. Dezember 2011 zu schließenden Coffeeshops auch nicht die Möglichkeit bekommen werden, sich an anderen Stellen der Stadt niederzulassen. Die niederländische Tageszeitung De Volkskrant zitiert den Amsterdamer Bürgermeister Job Cohen, der für eine gleichmäßige Verteilung der Lokalitäten in anderen Stadtteile plädiert, aber auf deren deutlich ablehnende Haltung verweist. In Amsterdam gibt es derzeit 228 Coffeeshops, von denen alleine 140 im Stadtzentrum angesiedelt sind. 26 dieser innerstädtischen Lokalitäten sind von dieser neuen Verordnung betroffen.

Die Stadtverwaltung führe die verordneten Schließungen nur widerwillig durch, so die Volkskrant weiter. Denn diese seien nur notwendig geworden, da die Politik einseitige Entscheidungen getroffen habe. In dem Bericht der Stadt Amsterdam über ihre Coffeeshoppolitik finden sich jedoch kaum Hinweise auf entstandene Probleme. Die Stadtverwaltung plädiert in einem Statement zur aktuellen Drogenpolitik für den Erhalt des Coffeeshopsystems und räumt die Notwendigkeit ergänzender Maßnahmen ein, die unter anderem das Beschaffungssystem transparenter machen,. Es wurde beschlossen, die Abstandsregelung nur in Bezug auf weiterführende- und Oberschulen auszulegen. Grundschulen, an denen die Schüler im Schnitt jünger als 12 Jahre sind, werden aufgrund statistisch ermittelter Werte die besagen, dass der Cannabiskonsum verschwindend gering ist, nicht in die Abstandsregelung miteinbezogen. Zu viele Coffeeshops wolle man schließlich auch nicht schließen, so die Informationen der Stadt Amsterdam, da mögliche ungewünschte Nebeneffekte wie der unkontrollierbare Straßenhandel als Folgen mit einzukalkulieren sind. Dennoch bleibt es bei den Plänen, auch die hohe Dichte an Coffeeshops im Wallengebiet zu verringern.

Job Cohen kämpft weiter für die niederländische Drogenduldungspolitik (gedoogbeleid). Heute wird er in Almere beim „GrasGipfel“ (wiettop) anwesend sein, wo dreißig niederländische Gemeinden über ihre Drogen- und Duldungspolitik und die daraus entstehenden Probleme und Folgen sprechen. Cohen wird sich nicht nur für die Beibehaltung des Coffeeshopsystems einsetzen, sondern auch für die unter bestimmten Bedingungen erlaubte Legalisierung der Grasproduktion stimmen. Ihm zufolge mache das die Branche kontrollierbar und Drogenkriminalität könne leichter bekämpft werden. Negative Reaktionen aus dem Ausland weiß der Amsterdamer Bürgermeister abzuschmettern: er verweist auf Statistiken die zeigen, dass in den Niederlanden der Konsum weicher Drogen im Vergleich zu Ländern, in denen Hasch und Gras verboten sind, geringer ist. Zudem gebe es in den Niederlanden weniger Drogensüchtige und dank der Anwesenheit und strengen Reglementierung von Coffeeshops eine klare und deutliche Trennung zwischen weichen und harten Drogen.

In den gesamten Niederlanden gibt es etwa 700 Coffeeshops, knapp ein Viertel davon alleine in Amsterdam. Vor allem in Grenzgebieten wird über Belästigungen aufgrund des hohen Drogentourismus (NiederlandeNet berichtete) geklagt. Dem Amsterdamer Bericht zufolge kommen etwa 23% der Touristen nur in die Hauptstadt, um einen Joint zu rauchen. Cohen fügt hinzu, dass die Grastouristen jedoch deutlich weniger auffallen würden, als solche die zum Trinken kämen.