Nachrichten November 2008


KOMMISSION: Angst vor einem „deutschen Putsch“ – neue Erkenntnisse über die Greet-Hofmans-Affäre

Rotterdam/Den Haag. CK/VK/NRC/Trouw. 12. November 2008.

„Zwischen Königin und Rasputin“ lautete der Titel eines Berichts im „Spiegel“, der im Sommer 1956 zu einer wahren Aufruhe in den Niederlanden führte: Die seit Jahren am königlichen Hof herrschende (Ehe-)Krise war enthüllt und Gerüchte um ein Abdanken von Königin Juliana sowie die Angst vor einer Krise der Monarchie kursierten im ganzen Land. Auslöser für die Krise war die Gebetsheilerin Greet Hofmans, die 1948 an den königlichen Hof geholt worden war, um ein Augenleiden der jüngsten Königstochter, Marijke, zu heilen. Königin Juliana geriet immer mehr in ihren Bann und Mutmaßungen über eine politische Einflussnahme Hofmans nahmen ihren Lauf.

Gestern veröffentlichte der Historiker Cees Fasseur ein Buch über die ersten zwanzig Ehejahre des Königspaars „Juliana en Bernhard. Het verhaal van een huwelijk 1936-1956“, das bereits im Vorfeld viel Aufsehen erregte. Fasseur hatte 2005 als erster von Königin Beatrix die Erlaubnis zur Einsicht von Dokumenten bekommen, die bis dahin der Öffentlichkeit verwehrt geblieben waren, darunter die Korrespondenzen zwischen Juliana und Bernhard sowie ein Bericht der so genannten Kommission Beel. Die Kommission war nach Veröffentlichung des Spiegel-Artikels unter Leitung von Louis Beel ins Leben gerufen worden, um die Affäre zu untersuchen und eine Staatskrise zu verhindern. Durch die erstmalige Zugängigkeit der Quellen versprach man sich die endgültige Aufklärung der Greet-Hofmans-Affäre. Weitreichende neue Enthüllungen brachte das lang erwartete Buch jedoch nicht mit sich; allerdings trägt der Kommissionsbericht zu einer weiteren Nuancierung bei. Wie sich nun zeigte, forderte die Kommission, die auf Wunsch von Königin Juliana und Prinz Bernhard einberufen wurde, Juliana damals auf, das Band mit Hofmans zu brechen, insbesondere um das Gerücht einer politischen Beeinflussung durch die Gebetsheilerin zu entschärfen. Die Königin verweigerte jedoch zunächst die Trennung von Hofmans. Diese verließ den Hof 1956 erst, nachdem sie und zwei weitere Vertraute der Königin anonyme Morddrohungen des „Comité van Actie“ erhalten hatten. Fasseur wies in seinem Buch die Einflussnahme Hofmans auf zwei Reden der Königin im Jahr 1949 nach. Ernsthaften politischen Einfluss auf Juliana hat sie nach Aussage des Historikers jedoch nie besessen.

Der Kommissionsbericht verdeutlicht zugleich das tiefe Misstrauen, dass zu dieser Zeit zwischen Juliana und Bernhard herrschte. Juliana fürchtete, dass sie abtreten müsse und ihre Tochter Beatrix eine „Marionettenkönigin“, an den Fäden ihres Vaters, werden würde. Auch ihre Mutter Wilhelmina sprach von einem drohenden „deutschen Putsch“ ihres Schwiegersohns.