Nachrichten Mai 2008


HIRSI ALI: Kinderbuch als Beitrag zur Islamdebatte

Brüssel. CK/VK/NRC. 29. Mai 2008.

Nachdem im Februar erneute Diskussionen über Schutzmaßnahmen für Ayaan Hirsi Ali hohe Wellen geschlagen hatten, die bis ins EU-Parlament reichten, war es in den letzten Monaten wieder ruhiger um die bedrohte Islamkritikerin geworden. Ihre erneute Medienpräsenz verdankt sie diesmal einem anderen Grund: Heute erscheint ihr erstes Kinderbuch, mit dem sie auch den Jüngsten die aktuelle Islam- und Gesellschaftsdebatte in kindgerechter Form näher bringen möchte. Im Mittelpunkt des Buches „Adan und Eva“ steht ein 12-jähriger Junge marokkanischer Herkunft, der in einem Amsterdamer Problemviertel aufwächst. Durch ein Schülerquoten-Projekt der Gemeinde Amsterdam gelangt Adan auf ein Lyzeum, wo er seine neue jüdische Mitschülerin Eva kennenlernt. Als die beiden sich trotz aller herrschenden Vorurteile anfreunden, stoßen sie auf Widerstand in ihrem näheren Umfeld und werden schließlich von ihren Eltern auf ein Schweizer Internat beziehungsweise zur Umerziehung nach Marokko geschickt. In einem zweiten, bislang noch nicht fertig gestellten Teil, finden sie trotz der geografischen und kulturellen Entfernungen wieder zueinander. Beim Schreiben des Kinderbuches schöpfte Hirsi Ali vor allem aus dem persönlichen Erfahrungsschatz ihrer Jugend und ihrer jahrelangen Arbeit als Dolmetscherin in Problemvierteln. Das familiäre Umfeld ihrer Romanfigur „Eva“ ließ sie von Anna Gray, einer jüdischen Schriftstellerin aus Paris beschreiben.

Hirsi Ali möchte mit ihrem Buch, das in mehreren europäischen Ländern erscheinen wird, Kinder auf andere Kulturen in ihrer Umgebung aufmerksam machen und Konflikte abbauen helfen: „Es ist Besorgnis erregend, dass Kinder mit Fotos von Mohammed Bouyeri (Mörder von Theo van Gogh) mit in die Schule nehmen und ihn als Held ansehen. Oder 6 oder 8 jährige Kinder ausländischer Herkunft, die sagen: Wartet ab bis wir in der Mehrheit sind. Es sind Kinder, aber es kommt doch irgendwo her.“ Hirsi Ali sieht ihren Roman als einen weiteren Beitrag zur Islamdebatte. Eine Debatte, die ihrer Ansicht nach in den Niederlanden nicht geführt werden darf. In einem Interview mit ANP warf sie einigen Mitgliedern der christdemokratischen CDA gar eine „systematische Kampagne gegen die Freiheit der Meinungsäußerung“ vor, um jegliche kritische Islamdebatte zu unterdrücken. Insbesondere Balkenende und Justizminister Hirsch Ballin würden glauben, so Hirsi Ali, „dass die Diskussion über den Islam nicht geführt werden muss, höchstens auf ihre Art und Weise.“ Hirsi Ali spielt mit ihren Äußerungen unter anderem auf die zweitägige Arretierung des niederländischen Karikaturisten Gregorius Nekschot am 13. Mai an, dem wegen seiner islamkritischen Zeichnungen die Diskriminierung von Moslems und Menschen mit dunkler Hautfarbe vorgeworfen wird.