Nachrichten Mai 2008


AUSZEICHNUNG: Four Freedoms Award verliehen

Middelburg. CK/NRC/De Telegraaf/AD. 27. Mai 2008.

Am Samstag fand im niederländischen Middelburg die Verleihung des Four Freedoms Award statt. Seit 1982 wird die Auszeichnung jährlich wechselnd in New York und der Hauptstadt der niederländischen Provinz Zeeland verliehen – in Anlehnung an die so genannte „Four Freedoms“- Rede des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt vor dem amerikanischen Kongress im Jahr 1941. Dieser nannte in seiner Rede vier Basisfreiheiten des Menschen, die gegenüber den damaligen Kriegsgegnern Deutschland, Japan und Italien verteidigt werden müssten: Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Freiheit von Not sowie die Freiheit von Furcht. Nach Ende des Krieges bildeten diese Vier die Basis für die Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen. Zu den Trägern des Four Freedoms Award gehören unter anderem Kofi Annan, Dalai Lama, Nelson Mandela und Helmut Schmidt.

In diesem Jahr wurde die Auszeichnung an den deutschen Alt-Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (1984-1994) verliehen. Er erhielt den Four Freedoms Award insbesondere für seinen Beitrag zum deutschen und europäischen Vereinigungsprozess, für seine Rolle bei der Entwicklung einer neuen Zukunftsperspektive für die Vereinten Nationen sowie für seine Leistungen bei der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit innerhalb der deutschen Gesellschaft. Premierminister Balkenende, der ihm im Beisein von Königin Beatrix die Auszeichnung überreichte, bezeichnete Weizsäcker als „wichtige treibende Kraft“ bei der deutschen Wiedervereinigung und hob „die Ruhe, die Autorität und den versöhnenden Ton“ des Alt-Bundespräsidenten hervor, mit denen er „im In- und Ausland goodwill und Verständnis für eine schnelle deutsche Vereinigung kreiert“ habe.

Weizsäcker verwies in seiner Dankesrede darauf, dass die vier Freiheitswerte gerade in der heutigen Zeit eine „ganz neue Aktualität“ bekommen hätten. Die Bedrohung liege dabei, so Weizsäcker, „bei uns“, „da wir die Freiheiten, die wir selbst so wichtig finden, gegenüber anderen nicht ernst nehmen.“ In Hinblick darauf nannte er insbesondere den amerikanischen Einfall im Irak als „unverantwortlich“. Dennoch könne der Westen nach wie vor für andere Länder als Vorbild für die freie Meinungsäußerung und die Religionsfreiheit dienen.

In der Middelburger Nieuwe Kerk wurde zudem der ehemalige UN-Sonderbotschafter für Afghanistan und den Irak, Lakhdar Brahimi, mit der Medaille für Meinungsfreiheit ausgezeichnet. Die britische Schriftstellerin und Religionsexpertin Karen Armstrong erhielt die Medaille für Religionsfreiheit sowie der norwegische Diplomat Jan Egeland eine Auszeichnung für seinen Beitrag bei der so genannten Oslo- Vereinbarung zwischen Israel und den Palästinensern im Jahr 1993. Abschließend wurde die niederländische Organisation War Child Nederland, gegründet von Willemijn Verloop, mit der Medaille „Freiheit von Furcht“ ausgezeichnet. Sie setzt sich international für Kinder und deren Verarbeitung von Kriegserfahrungen ein.