Nachrichten Mai 2008


BILDUNG: Examenszeit in den Niederlanden

Den Haag. FN/VK. 21. Mai 2008.

Seit Anfang der Woche heißt es „Augen zu und durch“ für mehr als 200.000 Schüler in den Niederlanden. Jedes Jahr im Mai finden die zentralen Abschlussexamen für die drei Schulformen der weiterführenden Schulen statt. Anders als in Deutschland, wo die Bundesländer die Bildungshoheit haben, werden in den Niederlanden alle Prüfungsaufgaben zentral in Verantwortung des Bildungsministeriums gestellt. Hier wird in einem Prüfungsgremium festgelegt, was in den jeweiligen Fächern geprüft wird, wie lange die Prüfungen dauern und wie viele Punkte erreicht werden können bzw. müssen. Das Centraal Instituut voor Toetsontwikkeling (CITO) ist dann für die genaue Ausarbeitung der Prüfungsaufgaben verantwortlich. Insgesamt müssen jährlich bis zu sechshundert verschiedene Examen für die einzelnen Fächer jeder Schulform erarbeitet werden. Alle am Prozess der Aufgabenstellung beteiligten Mitarbeiter müssen eine „Geheimhaltungserklärung“ unterschreiben. Der Druck und die Distribution der Examensbogen an die Schulen ist in jedem Jahr eine logistische Herausforderung. Die fest verschlossenen Umschläge mit den Prüfungsaufgaben werden erst, wenn alle Schüler im Prüfungsraum sitzen, geöffnet. Die meisten Prüfungen setzen sich zusammen aus Texten, zu denen multiple choice und frei gestellte Fragen beantwortet werden müssen. Vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern wird das Abschlussexamen zunehmend am Computer abgenommen. Die zentral gestellten Aufgaben werden anhand eines verbindlichen Lösungsschlüssels bewertet. Bestanden ist das Abschlussexamen, wenn in allen Prüfungsfächern mindestens eine sechs als Note erreicht wurde. In den Niederlanden zählt man im Notensystem von der eins als schlechteste Note hoch zur zehn als beste Note. Im Juni kann dann eines der Fächer wiederholt werden. In Ausnahmefällen kann auch im August noch ein weiteres Fach wiederholt werden, wenn während der ersten Phase nicht alle Prüfungen abgelegt werden konnten. Für Beschwerden über den Inhalt der Prüfungen gibt es eine zentrale Anlaufstelle. Das Landelijk Aktie Komitee Scholieren (LAKS) nimmt jedes Feedback auf. In der Examenszeit stellt das LAKS ein Team von 35 zusätzlichen Beratern zusammen, das die Beschwerden telefonisch aufnimmt, ordnet und auswertetet.

Die im ganzen Land gleichzeitig stattfindenden Abschlussprüfungen führen dazu, dass in der Examenszeit im Mai ein großes öffentliches Interesse am Schulabschluss entsteht. Es gibt zahlreiche Internetportale auf denen die Aufgaben veröffentlicht und diskutiert werden und die Zeitungen bringen täglich Berichte, zum Beispiel über die aktuelle Zahl der eingegangenen Beschwerden. Auch gibt es jährlich Diskussionen darüber, wie die Durchführung vereinfacht und die Inhalte der Prüfungen gerechter werden könnten. Viele Schüler des Examensjahrgangs 2008 planen schon für die Zeit nach dem Lernstress. Bevor es losgeht mit Bewerbungen und Studienplatzwahl wollen die meisten aber erstmal feiern, faulenzen und verreisen.