Nachrichten Mai 2008


FINANZEN: Topmanagergehälter als „Plage für die Gesellschaft“

Brüssel. 15. Mai 2008. FN/NRC/Trouw.

Die Niederlande sind Vorreiter in Europa beim Umgang mit hohen Managergehältern und Abfindungen. Bei dem Treffen der Finanzminister der Eurozone in dieser Woche wurde beim Thema überhöhte Managergehälter und Abfindungen deutlich, dass bisher die Niederlande als einziges Euroland eine gesetzliche Regelung anstreben. Der unverhältnismäßige Anstieg der Managerbezüge, der in einigen Ländern zu beobachten ist, sei skandalös betonte der Chef der Finanzminister der Euroländer und luxemburgischer Regierungschef Jean-Claude Juncker. Nur steuerliche Maßnahmen könnten der „Plage für die Gesellschaft“ entgegenwirken und verhindern, dass einige Manager ihre Unternehmen mit einem „goldenen Handschlag“ verließen, so Juncker.

Die Mehrzahl der Finanzminister ist grundsätzlich bereit, gegen den Missstand vorzugehen, indem sie die steuerliche Absetzbarkeit von hohen Abfindungszahlungen einschränken wollen. Doch das Thema ist heikel. Die Wirtschaft reagiert vielfach gereizt und nimmt die geplanten Maßnahmen als Angriff auf ihre Lohnautonomie wahr. Bisher stellt sich nur die niederländische Regierung mit konkreten Gesetzesvorschlägen der Herausforderung. In Brüssel stellte Finanzminister Wouter Bos (PvdA) das geplante Maßnahmenpaket vor. Unter anderem sollen Abfindungen demnach mit 30 Prozent versteuert werden, wenn das Jahresgehalt mehr als 500.000 Euro beträgt. Bos zeigte sich besorgt über die aktuelle Entwicklung: „Die Sorge ist in der EU weit verbreitet, dass die maßlose Bezahlung der Spitzenfunktionen die allgemein angestrebte Zurückhaltung bei den Lohnforderungen ernsthaft in Frage stellt.“ Im Zusammenhang mit dem derzeitigen deutlichen Inflationsanstieg sei ein vorsichtiger Umgang mit Lohnerhöhungen besonders wichtig, so die Finanzminister der Eurozone. Vor allem die Führungskräfte sollten in dieser Situation ein gutes Vorbild geben, forderte der niederländische Finanzminister. Als „ökonomisch unsinnig“ bezeichnete Bos die Praxis, Topmanagern einen Bonus zu zahlen, wenn sie scheitern und daraufhin das Unternehmen verlassen müssen.