Nachrichten Mai 2008


SCHULSYSTEM: Kinder mit Migrationshintergrund werden nicht genug gefördert

Amsterdam. FN/NRC/VK. 13. Mai 2008.

Viele Kinder mit Migrationshintergrund werden im niederländischen Schulsystem benachteiligt. Das geht aus einer heute veröffentlichten Analyse des Instituts für Migration und Ethnische Studien (IMES) der Universität Amsterdam hervor. Die Untersuchung unter dem Titel „Die zweite Generation. Belastung oder Chance für den Staat?“ nahm die Schullaufbahn von türkisch- und marokkanischstämmigen jungen Erwachsenen unter die Lupe. Befragt wurden rund eintausend in den Niederlanden geborene Nachkommen von Migranten. Die als „zweite Generation“ bezeichneten sind Nachfahren der in den Sechziger- und Siebzigerjahren in die Niederlande gekommenen „Gastarbeiter“. Die große Gruppe der türkischen und marokkanischen ehemaligen Arbeitsmigranten gilt bis heute zu den am wenigsten in die niederländische Gesellschaft integrierten Bevölkerungsteilen. Die Befragten waren zwischen 18 und 35 Jahren alt und lebten in den Ballungszentren Rotterdam und Amsterdam. Als Kontrollgruppe wurden 500 Niederländer der gleichen Altersgruppe befragt. Das Ergebnis der Studie ist eindeutig: weil viele Kinder mit Migrationshintergrund in der Grundschule nicht entsprechend ihren Fähigkeiten gefördert werden, haben sie auf den weiterführenden Schulen weniger Chancen einen höheren Schulabschluss zu erreichen.

Dennoch kann als positives Ergebnis festgehalten werden, dass sich eine Elite von sehr gut ausgebildeten und beruflich erfolgreichen türkisch- und marokkanischstämmigen jungen Erwachsenen herausgebildet hat. Im Vergleich zu ihren Altersgenossen haben sie allerdings durchschnittlich drei Jahre länger für ihre Ausbildung gebraucht, da sie häufig erst über den „Umweg“ einer Berufsausbildung zur weiterführenden Schule zugelassen wurden. In den Niederlanden wird die Berufsausbildung (MBO), anders als in Deutschland, ausschließlich an Schulen und nicht im Betrieb durchgeführt. Der Übergang zwischen der Grundschule (Basisschool) und den weiterführenden Schulen erwies sich für die Kinder mit Migrationshintergrund als Schwachstelle im System. Nach der achtjährigen Grundschule müssen alle Kinder einen Test ablegen. Das Ergebnis bildet die Grundlage für die Entscheidung für eine weiterführende Schule. Die Studie zeigt deutlich „dass bei einem gleichen Testergebnis Schüler mit Migrationshintergrund häufiger eine niedrigere Empfehlung für die weiterführende Schule bekommen, als Kinder ohne Migrationshintergrund“, erklärt Maurice Crul, einer der Verantwortlichen des IMES.