Nachrichten März 2008



FITNA: Rechtspopulist Wilders veröffentlicht Anti-Islam-Film

Den Haag. JOK/VK/TR/NRC/LiveLeak/SD/FAZ. 28. März 2008.

Der rechtspopulistische niederländische Politiker Geert Wilders hat am Donnerstag seinen lang angekündigten Film Fitna im Internet veröffentlicht. Nachdem niederländische Rundfunkanstalten, Kinos und Internetplattformen die Ausstrahlung abgelehnt hatten, hat sich schließlich mit dem englischem Internetportal LiveLeak.com doch noch eine Möglichkeit der Veröffentlichung gefunden. Der etwa 15-minütige Streifen zitiert Suren die unterlegt wurden mit Bildern extremistischer Anschläge und Exekutionen, sowie Hasspredigten muslimischer Anhänger. Die Anschläge des 11. September wurden genauso aufgegriffen wie die niederländischen Schlagzeilen rund um den Mord an dem islamkritischen Filmemacher Theo van Gogh und der inzwischen nach Amerika ausgewanderten ehemaligen Parlamentsabgeordneten Ajaan Hirsi Ali. Wilders behauptet in seinem Film, der Islam wolle die Welt beherrschen, unterwerfen und die westliche Zivilisation vernichten. Die Aussagen greifen somit inhaltlich Wilders bekannte Ausführungen über den Islam und die „Islamisierung der Niederlande“ auf. Der Film habe jedoch keine Symbole des Islams entwürdigt oder verletzt, vielmehr sei er „eine sehr geschickte, suggestive Collage des Hasses der Islamisten gegen den Rest der Menschheit.“, so die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Trotz der Quellenangabe der Bilder und Berichte am Ende des Filmes sind dem niederländischen Abgeordneten Fehler unterlaufen: So wird ein angebliches Foto Mohammed B.’s gezeigt, der Ende 2004 Theo van Gogh ermordet hat, welches aber nicht ihn, sondern den niederländisch-marokkanischen Rapper Salah Edin darstellt. Edin signalisierte noch am Donnerstagabend, dass er rechtliche Schritte gegen Wilders einzugehen gedenkt. Auch der dänische Cartoonist Kurt Westergaard kündigte im niederländischen Fernsehen an, er wolle juristische Schritte gegen Wilders eingehen, da Wilders ohne seine Zustimmung eine Karikatur (‚Die Turbanbombe’) verwendete.

Die Regierung in Den Haag, die sich bereits seit Monaten auf die Reaktionen vorbereitet und vor Racheakten im eigenen Land und niederländischen Einrichtungen im Ausland gewarnt hatte, wurde am Donnerstagabend aus Frucht vor gewalttätigen Protesten komplett abgeriegelt. Die bisherigen Reaktionen auf die Veröffentlichung des Filmes sind jedoch, innerhalb der Niederlande sowie im Ausland, vergleichsweise ruhig. Auch die ausländischen Pressereaktionen beschränken sich auf wenige Artikel und Rundfunknachrichten. Ganz im Gegensatz zur medialen Aufmerksamkeit innerhalb der niederländischen Gesellschaft, wo die Debatte rund um Geert Wilders Standpunkte spätestens seit seiner Aussage, der Koran sei mit Hitlers ‚Mein Kampf’ gleichzusetzen, die Nachrichten nahezu täglich bestimmt. Im Allgemeinen wird der Film als weniger katastrophal beurteilt als erwartet und dank der ausufernden vorangegangenen Diskussion wurden so manche Befürchtung weit unterboten. Der Vorsitzende der Partei für die Freiheit (PVV) Wilders bleibt der Nationalen Koordinationen für Terrorismusbekämpfung (NCTB) zufolge jedoch der am meisten gefährdete Politiker der Niederlande, obwohl die NCTB keine Aussagen darüber macht ob die Zahl der Drohungen nach der Ausstrahlung des Filmes zugenommen haben. Demonstrationen oder Kundgebungen so die NCTB wurden bisher noch nicht verzeichnet.

Premier Jan Peter Balkenende kritisierte umgehend nach der Erstausstrahlung die Inhalte des Films und distanzierte sich von den Absichten Geert Wilders. Beinahe alle niederländischen Parteien sind sich einig, dass Wilders mit diesem Film seine bekannte Polemik nur weiter verfolgt und keine neuen Inhalten anfügt.